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WAZ: Beate Zschäpe und ihre Verteidiger. Kommentar von Hayke Lanwert

Essen (ots) - Vierzehn Monate nach seinem Auftakt ist der NSU-Prozess an einem äußerst schwierigen Punkt angelangt. Als wäre das Verfahren nicht schon kompliziert genug, droht es nun sogar zu platzen, weil sich die Angeklagte Beate Zschäpe offenbar von ihren Anwälten nicht mehr angemessen juristisch vertreten fühlt. Ob es wirklich damit zu tun hat, dass sie gegen den Rat, gegen die Strategie ihrer Verteidiger ihr Schweigen brechen möchte, ist reine Spekulation. Doch selbst, wenn das Gericht dieser Misstrauens-Bekundung nicht folgt, wie mag die Hauptverhandlung unter solchen Umständen weitergehen? Mit einer Anklagten, die mit ihren eigenen Anwälten über Kreuz liegt? Ohnehin waren die Erwartungen an den Prozess sehr hoch, denn die Menschen in diesem Land wollen nicht nur eine Aufklärung über die persönliche Schuld von Beate Zschäpe und ihren Mitangeklagten, sie erhoffen sich vielmehr eine detaillierte Klärung der politischen Hintergründe. Wie stark war der Verfassungsschutz involviert, wie viel trugen dessen V-Leute zur Existenz der rechten Terror-Szene bei? Warum versagte die Polizei so kläglich bei der Aufklärung der zehn Morde? Der Eklat um Zschäpe und ihre Verteidiger wird das Verfahren alles andere als befördern.

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