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WAZ: Geizige Gewerkschaft - Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Gewerkschafter beherrschen die Welt der Tarifarithmetik. Bei lausigen Abschlüssen in mehreren Stufen kehren sie einfach alles auf einen Haufen - und jubeln, wie groß dieser sei. Nur: Wer soll darauf reinfallen, wenn es um die Löhne der eigenen Leute geht? Der DGB zahlt ihnen sechs Monate lang null Prozent und wirft dann ein paar Brotkrumen hinterher. Und das mitten im Aufschwung, der DGB-Chef Sommer nach satten Lohnerhöhungen schreien und Verdi sechs Prozent fordern lässt. Peinlich ist das schon. Vor allem für Verdi. Erst im Frühjahr forderte die Dienstleistungsgewerkschaft fünf Prozent im Öffentlichen Dienst und bot ihren eigenen Leuten anderthalb. Dass ausgerechnet diese Gewerkschaft für faire Tarifverhandlungen in der Dachorganisation sorgen soll, ist schon eine kühne Hoffnung. Die Gewerkschaften können ihre eigenen Lohnrunden noch so diskret abwickeln - es lässt sich nicht leugnen, dass sie selbst auch Arbeitgeber sind. Wenn schon die Arbeiterführer nicht anständig mit ihren Leuten umgehen - warum sollten es dann die echten Kapitalisten tun?

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