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WAZ: Der Bock ist jetzt der Gärtner - Kommentar von Thomas Wels

Essen (ots) - Um es vorweg zu sagen: Kein Land profitiert so sehr vom Euro wie Deutschland. Die Finanzkrise hätte ohne die Gemeinschaftswährung eine Blutspur in der deutschen Exportstatistik hinterlassen. Die D-Mark wäre im Vergleich zu Franc, Lira oder Pesete enorm gestiegen und hätte deutsches Exportgut verteuert. Deutschland hat ein fundamentales ökonomisches Interesse am Euro. Als stärkste europäische Volkswirtschaft und vor dem Hintergrund der Geschichte hat die Bundesrepublik immer in Verantwortung für Europa gestanden, zusammen mit Frankreich. Deutschland hat seine Wirtschaftswunderwährung eingebracht. Und das war für ein Land, in dem sich die Enteignung über eine Hyperinflation ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat, nicht wenig. Keiner muss sich sorgen - die Geschichte dieser Inflationen wird sich nicht wiederholen. Gleichwohl hat Kanzlerin Merkel am Wochenende die Balance zwischen Deutschland und Frankreich fahren lassen. Es haben sich die durchgesetzt, die den Euro der Politik überlassen wollen, nicht den Stabilitätsregeln. Das ist ein grandioser Fehler. Denn nun sollen Schuldenmacher den Euro mit neuen Schulden retten. Der Bock als Gärtner - das ist eine Euro-Rettung auf Zeit. Ohne verpflichtende Sparprogramme wird die Spekulation gegen den Euro nicht zu beenden sein.

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