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WAZ: Studentenproteste - Bildungsfrust. Kommentar von Christopher Onkelbach

    Essen (ots) - Noch bevor die i-Dötzchen ihre Schultüten bekommen, wird ihnen eingetrichtert: Bildung! Bildung ist das Wichtigste. Sie lernen: Ohne die richtigen Abschlüsse werde ich nicht konkurrenzfähig sein im Rennen um gute Arbeitsplätze; ohne Bildung kann ich nicht teilhaben am gesellschaftlichen Leben, muss Karrierehoffnungen begraben. Sie hören es von Eltern, Lehrern, Politikern und Wirtschaftslenkern. So wird der erste Schultag zum Startschuss für einen immer härteren Hürdenlauf durch das Bildungssystem - mit ungewissem Ausgang. Aus dieser Ungewissheit speist sich zu einem guten Teil die Wut der Schüler und Studenten. Sie wollen lernen und leisten, spüren aber, dass ihnen dauernd Steine in den Weg gelegt werden. Nach dem Turbo-Abi warten Turbo-Studium, Vorlesungen auf Treppenstufen trotz Studiengebühren und eine Studienstruktur, die mehr Bildungsfrust als Bildungslust erzeugt. Im Juli, nach den Protesttagen, hatte Bildungsministerin Schavan 20 Studenten eingeladen, um sich deren Sorgen anzuhören. Interessant sei es gewesen, sagte sie. Viel mehr ist nicht passiert. So nimmt man nicht nur die jungen Menschen nicht ernst, so konterkariert man auch die eigenen Bildungsappelle.

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