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WAZ: Lockerbie-Attentäter wieder frei - Die Gnade der Realpolitik - Leitartikel von Gudrun Büscher

    Essen (ots) - Man könnte über Gnade schreiben. Gnade, die dem todkranken, zu lebenslanger Haft verurteilten Lockerbie-Mörder zuteil wird. Gnade, die vor dem Recht steht. Gnade, die vor allem dann Größe entfaltet, wenn sie einem Gnadenlosen widerfährt, einem Massenmörder, der 270 Menschen - überwiegend junge Amerikaner - an Bord eines PanAm-Flugzeugs über Lockerbie tötete. Gnade, die Gefahr läuft, missverstanden und als Schwäche ausgelegt zu werden. Gnade, die vielen Menschen sehr weh tut und doch den Wert eines humanitären Rechtsstaats offenbart. Man könnte, aber man lässt es besser. Denn hinter der Freilassung des Libyers Abdel Basset al-Megrahi stecken zu offensichtlich handfeste wirtschaftliche und politische Interessen. Gaddafis "Schurkenstaat" ist auf dem Weg zum wichtigen Handelspartner. Den Briten geht das Erdgas in der Nordsee aus, vor der Küste Libyens wurden erst kürzlich große neue Vorkommen entdeckt. Auf die schielen nicht nur die Briten, sondern auch die Amerikaner. Aber nur die Schotten waren in der Lage, Libyen ein solches Geschenk machen zu können und hoffen nun, dass sich der Beschenkte als dankbar erweist. Doch ob Libyen so gnädig ist?

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