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WAZ: Fahrt ins Ungewisse. Kommentar von Carsten Oberste-Kleinbeck

    Essen (ots) - Das motorisierte Rundendrehen in Höchstgeschwindigkeit, auch Formel 1 genannt, hat nach dem ersten Rennen des Jahres seinen Ruf, ein großer und lustiger Zirkus zu sein, wieder wunderbar untermauert. Dem geneigten Publikum wurden in Melbourne zu Saisonbeginn viele erstaunliche Kunststücke geboten, die sogar den Cirque du Soleil in den Schatten stellen. Da wären zum Beispiel: die magische Nummer mit einem "Superhirn", die geheimnisvollen Kräfte eines Diffusors, die waghalsige Kollision zweier Artisten in einer Kurve, die Clownerie eines Toyota-Piloten und der große Schlusschor mit wild protestierenden Rennställen. Die Formel 1, wie sie leibt und lebt: in vollständiger Unordnung und Verwirrung. Jenson Button, der Pilot des sagenumwobenen neuen Brawn-Mercedes, hat das erste Saison-Rennen zwar gewonnen, ob der Brite allerdings zukünftig auch als Sieger von Melbourne in den Formel-1-Annalen geführt wird, ist so ungewiss wie die Entwicklung der Aktienkurse in den kommenden Tagen. Diese Ungewissheit hängt mit einem aerodynamischen Bauteil am Heck des Boliden zusammen, das in Fachkreisen zwar als Diffusor bezeichnet wird, jedoch nichts, wie man annehmen könnte, mit schummrigem Weichzeichnen oder Verschleiern zu tun hat. Dieser Diffusor sorgt dafür, dass die Bodenhaftung des Formel-1-Renners und somit die Geschwindigkeit erhöht wird. Dummerweise fahren lediglich drei Teams mit diesem leistungsfördernden Teilchen - das Gros des übrigen Feldes tuckert hinterher. Die Proteste waren also vor dem Start in Australien programmiert. Und exakt hier kommen die beiden Zirkus-Direktoren ins Spiel: der Präsident des automobilen Weltverbandes Max Mosley und der Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone. Mit ihrer Machtfülle hätten sie dafür Sorge tragen müssen, dass es in diesem Hochtechnologie-Sport klare Regeln gibt. Erst am 14. April wird in Paris in Sachen Diffusor gerichtlich entschieden - mit ungewissem Ausgang. Doch schon am kommenden Sonntag geht es in Kuala Lumpur wieder rund. Mit Protesten, vorläufigen Siegern und Verlierern. Langweilig ist die Formel 1 immerhin nicht.

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