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WAZ: Ein Tarif für Gerechtigkeit? - Kommentar von Stefan Schulte

    Essen (ots) - In Tarifrunden jonglieren gemeinhin Gewerkschafter und Arbeitgeber so lange mit Zahlen, bis einem schwindelig wird. Jedes Jahr aufs Neue versuchen die einen zu belegen, wie schädlich höhere Löhne wären, und die andern das Gegenteil. Doch vor der für 2009 wegweisenden Metallrunde fallen häufig wie nie Worte wie "Moral", "Gefühl" und "Gerechtigkeit". Gewerkschafts-Ökonomen behelfen sich mit Erhards Leitsatz, nach dem die Hälfte der Wirtschaft Psychologie sei. Denn in der Psyche der Arbeiter tun sich Lücken der Gerechtigkeit auf. Letzteres ist zweifelsohne eine objektive Beobachtung. Die Menschen spüren vom Aufschwung vor allem den Luftzug im Vorbeiflug. Doch die IG Metall kann eine allgemeine Gerechtigkeitslücke nicht für andere mit schließen. Sie vertritt ihre Mitglieder und sonst niemanden. Die Geringverdiener, deren Los sie beklagt, arbeiten woanders. Sie spüren die Inflation noch weit stärker als die gut organisierten Metall-Arbeiter. Ein Abschluss, der nicht in die wirtschaftliche Entwicklung passt, würde die Kluft nur vergrößern.

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