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WAZ: Vergessen wir die DDR? Kommentar von Ulrich Reitz

    Essen (ots) - Eltern, die ihre Nachbarn beim Staat denunzieren, weil der sonst ihre Kinder nicht studieren lässt. Eheleute, die ihren Partner ans Messer liefern, persönlicher oder beruflicher Vorteile wegen. Kinder, die in der Schule nicht Kant lernen durften, sondern Kommunismus büffeln mussten. Mutige Menschen, die in Bautzen an Leib und Seele misshandelt wurden. So war die DDR.

      Ein totalitärer Staat. Totalitär, weil er im Namen einer
Ideologie die ganze Herrschaft über seine Bürger beanspruchte.
Individuelle Freiheit nicht als Selbstverständlichkeit betrachtete,
sondern als Verrat. Dies zu wissen, gehört zum antitotalitären
Konsens in Deutschland, das im 20. Jahrhundert gleich zweimal der
diktatorischen Versuchung erlag.

      Umso erschütternder ist, was Kinder offenbar alles nicht wissen
oder welchen Legenden sie auf den Leim gehen. Für die zahlreichen
Opfer der DDR-Diktatur ist das doppelt schmerzlich: Frü her machte
man ihnen das Leben zur Hölle, heute gibt man ihnen zu verstehen,
dass doch alles nicht so schlimm gewesen sei. Wir werden wieder mehr
über die DDR reden müssen, nicht erst in den nächsten beiden
Jubiläumsjahren.

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