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WAZ: Migrationsbeauftragte Böhmer enttäuscht von türkischen Verbänden - "Der Traum von Multikulti ist gescheitert"

Essen (ots)

Kurz vor dem Integrationsgipfel bei Bundeskanzlerin
Angela Merkel hat sich die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung 
Maria Böhmer (CDU) enttäuscht von den türkischen Verbänden gezeigt. 
Zugleich wies sie Kritik am neuen Zuwanderungsgesetz zurück. "Man 
kann nicht einerseits den Dialog fordern und sich ihm andererseits 
verweigern", sagte Böhmer der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ,
Mittwochausgabe). "Natürlich bin ich auch ein wenig enttäuscht. 
Schließlich stellen die Verbände kurz vor dem Treffen den 
Integrationsgipfel in Frage, nachdem wir über zwölf Monate hinweg 
eine sehr intensive und konstruktive Zusammenarbeit gepflegt haben."
Böhmer bezeichnete die Kritik der türkischen Verbände als nicht 
nachvollziehbar. "Ich weise den Vorwurf, das Zuwanderungsgesetz sei 
diskriminierend, mit aller Deutlichkeit zurück", sagte die 
Staatsministerin im Kanzleramt. "Die Sprachbarriere ist ein Hemmnis 
für Integration. Deshalb ist der Ansatz im neuen Zuwanderungsgesetz: 
Erste Sprachkenntnisse sollten bereits vor der Einreise nach 
Deutschland bestehen. Das ist keine Hürde, sondern eine Hilfe im 
Alltag. Sprachkenntnisse des Landes, in dem man leben möchte, sollten
eine Selbstverständlichkeit sein."
"Der Traum von Multikulti ist gescheitert", sagte Böhmer der WAZ. 
"Das Nebeneinander hat nicht zu einem Miteinander geführt. In vielen 
deutschen Großstädten gibt es leider Parallelwelten und Tendenzen zur
Gettoisierung. Integration heißt einerseits, dass beide Seiten 
willens sind, aufeinander zuzugehen - und andererseits, dass man die 
Werte und Regeln eines Landes, in das man kommt und in dem man 
dauerhaft leben möchte, akzeptiert. Die Gleichberechtigung der Frau 
ist zum Beispiel ein ganz entscheidender Prüfstein dafür. Dass im 
Streit um das Zuwanderungsgesetz gerade die verpflichtenden 
Sprachkenntnisse für Frauen, die als Ehegattinnen nach Deutschland 
nachziehen, kritisiert werden, ist schon auffällig", sagte Böhmer.
Die Migrationsbeauftragte appellierte zugleich eindringlich an die
türkischen Verbände, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. 
"Die Türen des Kanzleramts stehen offen. Eine Politik des leeren 
Stuhls darf es nicht geben, denn damit werden keine Probleme gelöst."
Die Bundesregierung wolle "nicht mehr über die Migranten reden, 
sondern mit ihnen".

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