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Lausitzer Rundschau: Zeitenwende in Bremen SPD-Bürgermeister Böhrnsen tritt trotz Wahlsiegs zurück

Cottbus (ots) - Ein Sieger tritt zurück, das hat es noch nicht gegeben in Deutschland. Der Grund ist: Das war kein Wahlsieg für die SPD am Sonntag in Bremen, auch wenn man die stärkste Partei geblieben ist. Auch wenn man weiter den Bürgermeister stellen wird. Das war eine krachende Niederlage. Der Rücktritt Jens Böhrnsens beschämt seinen Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und auch SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Die hatte am Wahlabend von Misserfolg mit einer solchen Bestimmtheit nichts wissen wollen, dass man sich fragte, ob die Grünen die Cannabis-Freigabe schon durchgesetzt haben. Kein Vorankommen bei den Meinungsumfragen im Bund und jetzt noch eine Art Siegniederlage im Stammland, das wird die innerparteilichen Diskussionen um Inhalte und Stil der Arbeit der SPD in der gemeinsamen Regierung mit der Union beflügeln. Auch die um Alternativen zur Großen Koalition nach der nächsten Wahl. Nichts ist ewig in der Politik, auch absolute Vorherrschaften einer Partei sind es nicht. Die CDU Baden-Württembergs hat die Erfahrung gemacht, ebenso die SPD in Berlin. Horst Seehofer, Bayerns CSU-Chef mit Regentengehabe, sollte sich den aktuellen Fall genau anschauen. Jens Böhrnsen hat bei seinem Rücktritt von Verantwortung gesprochen. Ein großes Wort. Wer die Niedergangsgeschichte von regionalen Parteien kennt, weiß, dass es an einzelnen Personen selten gelegen hat. Sondern an verfestigten Strukturen, an Selbstbezogenheit und Selbstzufriedenheit, am mangelnden Austausch mit der Umgebung. Die Bremer SPD steht nach 70 Jahren ununterbrochener Machtausübung vor einer Zeitenwende. Vielleicht - hoffentlich - auch die so mit ihren Problemen kämpfende Hansestadt.

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