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Lausitzer Rundschau: Die Frage nach dem Glück 2015 wird ein Jahr, in dem es um weit mehr als nur um Steuern geht

Cottbus (ots) - Da ist er also, der letzte Tag des Jahres. In früheren Zeiten wurden an diesem Tag mit viel Lärm, Tanz und Feuerwerk die bösen Geister des abgelaufenen Jahres ausgetrieben. Daran werden in der heutigen Nacht die wenigsten denken. Wer glaubt schon an Gespenster? Silvester hat heute eine andere Funktion. Die Menschen nehmen Abschied von Problemen, ziehen einen Strich unter die Widrigkeiten des Jahres 2014. Unter das wohltuende Gefühl des Beendens mischt sich die Vorfreude auf das neue Jahr, was in der Silvester-Feierlaune meist rosig aussieht. Zu alledem gesellen sich die guten Vorsätze: Endlich Dinge zu ändern, die man längst hatte ändern wollen, vermutlich auch hätte ändern können. Wäre das Alltagsleben nicht dazwischengekommen. 365 Mal. Silvester ist die Atempause zwischen den Jahren, die die Gelegenheit bietet, Vergangenheitslast und Zukunftssorgen gleichermaßen wegzuballern. Silvester ist eine Barriere im Strom der Zeit, von dem viele Menschen immer stärker den Eindruck bekommen, dass er wie ein Tsunami über sie kommt und sie mitreißt, ob sie wollen oder nicht. Doch dieser Sturm, der so viel Unbehagen auslöst, hat ein Gesicht, das sich immer dann gut erkennen lässt, wenn der Mensch sich eine Pause gönnt. Silvester ist also auch eine Gelegenheit, die Dinge, die sich nicht gut anfühlen, zu benennen. Sie zu identifizieren. Da wäre zum Beispiel all das, was man mit dem Begriff der Globalisierung umschreibt. Auf ihr fußt der Reichtum der westlichen Welt. Sie hinterlässt aber bei vielen Individuen das ungute Gefühl, nicht mehr mitzukommen. Etwas fühlt sich fremd an. Klar ist: Deutschland gehört zu den großen Gewinnern der Globalisierung, denn es ist eine große Exportnation, die ihre Produkte weltweit verkauft. Gleichzeitig kauft Deutschland als Industrienation weltweit ein, vor allem Rohstoffe, Öl und Gas. Aber die Globalisierung offenbart sich den wenigsten in abstrakten Wirtschaftszahlen. Sie begegnet Kunden in einem Geschäft in Berlins Mitte, wo der Verkäufer nur englisch spricht. Sie taucht in Schulklasse in Berlin Neukölln auf, wo sich der Deutschunterricht nur noch schräg anhört. Globalisierung bringt Fremdheit und erschüttert all jene, die sich vor dem Fremden stärker fürchten, als dass es sie anzieht: Fremde Sprachen, fremde Umgangsformen, fremde Kulturen, und dazu fremde Fremde, die aus fremden Kriegsgebieten fliehen oder einfach nur aus einem weniger reichen Land kommen, um ihr Glück zum Beispiel in Dresden, Cottbus oder Berlin zu versuchen. Was zu einem weiteren Punkt führt, der vielen Unbehagen einflößt. Der Arbeitsplatz. In der Geschichte der Deutschen hat die Gesellschaft einen nie gekannten Wohlstand erreicht, der keineswegs selbstverständlich ist. Nahrungsmittel sind ausreichend da und preiswert noch dazu. Ein Dach über dem Kopf und warme Kleidung sind normal. Das Smartphone und der Flachbildschirm gehören zum Standard. Reisen in ferne Länder zählen schon lange nicht mehr zu den einmaligen Erlebnissen eines individuellen Menschenlebens. Also alles gut? Mitnichten. Arbeit und Identität gehen oft auseinander, die Identifikation geht verloren. Arbeit wird zum Job, der Geld bringt, aber nicht unbedingt Standesstolz und Selbstverwirklichung beschert. Letzten Endes geht es um die Sinnfrage, die man an einem Silvestertag, wenige Stunden vor der Feier, durchaus stellen darf. Eine Frage, der sich auch die politische Führung dringend annehmen muss - und zwar möglichst jenseits aller langweiligen Phrasendrescherei und befreit von ideologischem Kalkül. Wie kommen die Individuen einer gut organisierten und wohlhabenden Gesellschaft in einer globalisierten und entzauberten Welt in einen Zustand, der sich mit dem einfachen Wort Glück beschreiben lässt? Zugegeben, eine schwierige Frage, die irgendwie lächerlich, fast peinlich klingt. Eine, die weit über das gewöhnliche Politikgeschäft - Steuer rauf oder runter, Umgehungsstraße ja oder nein - hinausgeht. Sie zu beantworten, das ist eine Aufgabe, die die ganze Gesellschaft angeht. Sie drängt sich auf. 2015 stärker denn je zuvor.

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