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Lausitzer Rundschau

Lausitzer Rundschau: Angriffe gegen sorbisches Kulturgut nehmen zu
Wachsendes Unbehagen

Cottbus (ots)

Sechs beschädigte Straßen-Kreuze 2006, drei 2007,
sieben 2008. Hinzu kommen kleine Sticheleien und dumme Scherze auf 
Kosten Sorbisch Sprechender in der Kneipe, in der Schule oder auf dem
Sportplatz, übermalte sorbische Ortsschilder, Schmierereien wie 
"Schluss mit Multikulti". Erst Dienstag wurde ein Hinweisschild am 
Haus der Sorben in Bautzen abgefackelt. Nicht die wenigen groben, 
klar als solche erkennbaren Übergriffe gegen Vertreter der Lausitzer 
Minderheit, als vielmehr solche ständig wiederkehrenden, sich 
allmählich häufenden kleinen Stiche erzeugen auf Dauer ein Klima 
latenter Feindseligkeit. Es wird eher noch verstärkt, wenn die Täter 
nicht dingfest gemacht werden und sich so der sorbenfeindliche 
Hintergrund der Taten nicht klar nachweisen lässt. Schnell heißt es 
dann, dass ein Sturm das Kreuz umgeworfen haben könnte oder dass es 
vielleicht ein Schrotthändler gestohlen hat, der nur Geld machen 
will, aber eigentlich nichts gegen die Sorben hat. Fakt ist aber, 
dass sorbisches Kulturgut - und dazu zählt neben den Kruzifixen und 
Betstöcken vor allem die eigene Sprache - immer häufiger angegriffen 
wird und dass dafür weder Wetterunbilden noch Schrotthändler 
verantwortlich sind. Am Selbstbewusstsein und der Identität der 
Sorben nagt noch zusätzlich ihr ständiges Ringen um eine angemessene 
Minderheitenförderung, um in Theatern, Museen und Bibliotheken ein 
Kulturgut zu pflegen, das wohl leider nur wenige Lausitzer 
interessiert. So entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung leicht das 
Klischee vom Sorben als Kostenfaktor, der sich auch noch darüber 
aufregt, wenn ihm mal im Sturm ein Kruzifix umkippt. Tatsächlich 
entsteht so aber ein Assimilationsdruck auf die Minderheit, der zum 
Beispiel dazu führt, dass in sorbischen Familien von einer Generation
auf die nächste nicht mehr die Muttersprache gesprochen wird. 
Sorbisches Liedgut, sorbische Literatur drohen zu verkümmern, weil 
Eltern ihren Kindern Hänseleien ersparen wollen und sie lieber 
deutsch sprechen lassen. Neonazi-Aufmärsche im nahen Dresden, 
NPD-Abgeordnete in sächsischen und brandenburgischen Kreistagen tun 
ein Übriges, um das Unbehagen zu steigern.
Sorbe zu sein war nicht immer leicht in der Vergangenheit - leider 
deutet nur wenig darauf hin, dass sich das künftig ändert.

Pressekontakt:

Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481231
Fax: 0355/481247
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