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Weser-Kurier: Über die Vergewaltigung in einem Flüchtlingsheim schreibt Moritz Döbler:

Bremen (ots) - Es ist ein grauenhafter Verdacht, und politisch heikel ist er obendrein. Ein 17-jähriger Iraker soll einen neun Jahre alten Jungen aus Syrien in einem Flüchtlingsheim in Oldenburg vergewaltigt haben, während der Onkel des Täters angeblich Schmiere stand. Öffentlich wurde dies durch die Recherche von Journalisten, die Behörden wollten den Fall eigentlich unter Verschluss halten: nicht wegen der Herkunft des mutmaßlichen Täters, sondern weil er und das Opfer minderjährig sind. Polizei und Staatsanwaltschaft tun gut daran, bei Kindern und Jugendlichen nur sehr zurückhaltend an die Öffentlichkeit zu gehen. Das gilt erst recht bei Sexualdelikten. Denn die Opfer sollen nicht noch mehr traumatisiert werden, und bei so jungen Tätern besteht doch hoffentlich eine Chance, sie von weiteren Verbrechen abzuhalten. Aber jetzt ist dieser abscheuliche Fall öffentlich geworden, und er wirft Fragen auf. Immer wieder sind Jungen und junge Männer Opfer sexueller Gewalt. In der katholischen Kirche haben sich solche Fälle lange gehäuft, sie kommen in Schulen, Kasernen und Gefängnissen vor. Es sind Männerdelikte und nicht Ausländerdelikte, Täter gibt es in allen Ländern und Schichten. Der Reflex mancher Kommentatoren in Internetforen, diese Tat zu einem Flüchtlingsthema zu machen, geht völlig fehl. Das ist zynisch und deplatziert, jetzt muss es um Hilfe für das Opfer und um kühle Strafverfolgung gehen. Aber trotzdem ist der Fall zutiefst politisch. Der Neunjährige befand sich schließlich in der Obhut des Staates. Wie konnte die Tat passieren, und wie lassen sich solche Fälle künftig verhindern? Kein Flüchtlingsheim und auch sonst kein Ort lässt sich restlos überwachen. Das wäre auch nicht erstrebenswert. Aber deswegen muss trotzdem aufgeklärt werden, ob die Stadt Oldenburg für angemessenen Schutz gesorgt hat. Der Täter wird mit den Mitteln des Jugendstrafrechts zur Rechenschaft gezogen. Aber der Staat steht trotzdem in der Pflicht, seine eigene Verantwortung zu prüfen und aus dem Fall zu lernen. Das ist er einem neunjährigen Jungen schuldig, der die Pfingsttage in Oldenburg niemals vergessen wird.

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