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Weser-Kurier: Über die Asylpolitik schreibt Hans-Ulrich Brandt:

Bremen (ots) - Endlich wird amtlich, was ohnehin alle wissen: Die Zahl der Asylbewerber erreicht einen neuen Rekordstand. Doch entscheidend ist nicht, ob es 650.000 oder 750.000 Flüchtlinge sein werden, die in diesem Jahr in Deutschland Zuflucht suchen, entscheidend ist, dass die Länder der Europäischen Union anfangen, sich als wirkliche Gemeinschaft zu verstehen und nicht - wie bisher - als Einzelkämpfer. Immerhin: Auch die Kanzlerin hat nach langem Zögern und Schweigen erkannt, dass es eben nicht nur das Thema Finanzen ist, das über das Wohl und Wehe Europas entscheidet, sondern auch der solidarische und entschlossene Umgang mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Statt weiter nur über deren Verteilung innerhalb der EU zu streiten, muss gemeinsam gehandelt werden. Vom "nächsten großen europäischen Projekt" spricht Angela Merkel jetzt, aber dieser späten Einsicht müssen Taten folgen. Es reicht nicht, auf EU-Ebene zu kritisieren, dass es eigentlich nur zwei Länder sind, die leistungsfähige Asylstrukturen aufbieten, nämlich Deutschland und Schweden. Vor der eigenen Tür muss auch gekehrt werden. "Ich müsste jeden Tag ein Hochhaus bauen, um die Flüchtlinge unterzubringen", so hat Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney die Lage beschrieben. Auch die Zelte in Bremen sprechen eine klare Sprache. Nur mit großer Unterstützung des Bundes werden Länder und Kommunen die Lage meistern. Denn noch einmal: Ob es 650.000 oder 750.000 Flüchtlinge sind: Es geht nicht um Zahlen, es geht um Menschen.

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