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Weser-Kurier: Leitartikel von Kathrin Aldenhoff über die Ehe für alle

Bremen (ots) - Homosexualität ist Alltag in Deutschland. Zwei Frauen küssen sich in der Straßenbahn, zwei Männer laufen Händchen haltend über den Markt. Niemand, mit Ausnahme von ein paar Ewiggestrigen, kann sich darüber noch wundern. Niemand hat das Recht, diese Lebensentwürfe in Frage zu stellen. Doch eine letzte Bastion scheint für homosexuelle Paare uneinnehmbar: die Ehe. Ja, es gibt die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft. Aber das ist nicht das Gleiche. Eingetragene Partnerschaft: Das klingt nach Formularen und Steuern - aber nicht nach einem Bekenntnis, sein Leben gemeinsam verbringen zu wollen. In guten wie in schlechten Zeiten. Dabei ist eine Ehe für alle in Europa nichts Besonderes - in mehr als einem Dutzend europäischer Länder ist sie erlaubt. Nur wir in Deutschland scheinen weit davon entfernt, denn die Konservativen sträuben sich. Obwohl mit Ole von Beust ein homosexueller CDU-Politiker neun Jahre lang Hamburg regierte und es die Gruppe "Lesben und Schwule in der Union" gibt. Und obwohl inzwischen wohl jedes Kind den Satz von Klaus Wowereit (in seiner Regierungszeit begann die Berliner SPD die heutige Koalition mit der CDU) über sein Schwul-Sein nachsprechen kann. Erst vor kurzem erneuerte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview mit dem Youtuber LeFloid ihr Nein: Für sie persönlich sei Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau. Die CDU hat die Wehrpflicht abgeschafft, den Atomausstieg beschlossen, eine Frauenquote eingeführt. Das war viel für die konservativen Wähler. Eine Ehe für alle scheint nicht mehr drin zu sein. Die Mitglieder der Berliner CDU haben sich jetzt mehrheitlich dagegen ausgesprochen und so gezeigt, dass ihnen Tradition mehr wert ist als ein Bekenntnis zum modernen urbanen Lebensgefühl. Viele Menschen in den großen Städten, aber auch auf dem Land werden darüber den Kopf schütteln. Die CDU hat die Chance verpasst, sie zu überraschen.

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