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Weser-Kurier: Zum Thema Gewaltkriminalität schreibt Silke Hellwig:

Bremen (ots) - Ist der Mensch von Natur aus gewalttätig? Die Experten sind sich uneins, aber die Geschichte lehrt, dass Frauen und Männer, Junge und Alte offenbar seit Menschengedenken zu äußerster Grausamkeit fähig sind. Ist es also nichts als sogenannte Moralpanik, die uns bei jedem neuen Fall von schwerer Körperverletzung aus nichtigem Anlass erfasst und den Untergang des Abendlandes beschreien lässt? Tatsächlich ist die Erbarmungslosigkeit mancher Taten mehr als verstörend. Menschen werden geprügelt und getreten, bis sie tot sind, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, weil sie Zivilcourage zeigten, weil ihre Hautfarbe ihren Angreifern nicht gefiel. Mitleid? Gibt es nicht. Reue? Nicht immer. Doch so zynisch es klingen mag: Das Entsetzen ist gerade groß, weil wir weitgehend friedlich zusammenleben und hierzulande niemand mehr ums Überleben kämpfen muss. Man muss kein Fachmann sein, um zu erahnen, dass es gesellschaftliche Entwicklungen gibt, die kaum besonders friedlich stimmen: brutale und brutalste Darstellungen in Schrift, Bild und Ton, die Kindern und Jugendlichen oft problemlos zugänglich sind. Die Verrohung der Sprache. Pädagogische Konzepte, die junge Menschen eher in Konfliktvermeidung denn -bewältigung unterweisen. Zerborstene Familien, in denen keine gemeinsamen Regeln oder Grenzen festgelegt werden. Eine Gesellschaft, die Selbstbestimmung und Individualität idealisiert, erzeugt weder Rücksichtnahme noch Mitgefühl. Auf seine eigene Weise brutal ist allerdings auch der hilflose Umgang der Gesellschaft mit Gewalttätern, die oft ungebremst in ihr Unglück und eine kriminelle Karriere rennen, weil niemand sie rechtzeitig aufhält. Das Vermächtnis der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig wurde zur Kenntnis genommen und dann ignoriert. Gegenüber allen potenziellen Gewaltopfern grenzt das schon an unterlassene Hilfeleistung.

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