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Weser-Kurier: Kommentar von Alexander Pitz zur Debattenkultur im Bundestag

Bremen (ots) - Überraschend sind die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie nicht. Dass drei Viertel der Deutschen keine Bundestagsdebatten mehr verfolgen, hat mit einem hinlänglich bekannten Problem zu tun: Wo sich früher begnadete Rhetoriker wie Helmut Schmidt oder Franz-Josef Strauß leidenschaftliche Rededuelle lieferten, hat inzwischen ein nüchterner Sachwalterstil Einzug gehalten, den wohl niemand so perfekt verkörpert wie Kanzlerin Angela Merkel. Etliche politisch korrekte Beobachter mögen der Meinung sein, das sei der Würde des "Hohen Hauses" angemessener. Aber das Desinteresse der Bürger zeigt: Diese Art von Debattenkultur ist einfach nur sterbenslangweilig. Dass es anders geht, machen die Briten regelmäßig vor. In der "Prime Minister's Question Time" muss sich der Regierungschef im Unterhaus einer Art öffentlichem Kreuzverhör unterziehen. Dabei entwickelt sich meist ein lebhafter verbaler Schlagabtausch. Die Folge: Die Mehrheit der Briten schaut sich das parlamentarische Prozedere öfter an und nimmt so Anteil am politischen Geschehen. Schon mehrmals gab es Vorstöße, dieses Konzept auf den Bundestag zu übertragen. Doch die Union blockiert. Um die Kanzlerin zu schützen, sorgt sie dafür, dass alles so dröge bleibt wie bisher. Ein fataler Fehler. Denn ein Parlament ohne spannende Debatten ist letztlich ein totes Parlament.

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