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Weser-Kurier: Zur Europa-rede von Bundespräsident Joachim Gauck schreibt der Bremer WESER-KURIER:

Bremen (ots)

Der Bundespräsident hat sich Zeit gelassen mit seiner Antwort auf die von Roman Herzog 1997 mit seiner "Ruck-Rede" begründeten Tradition der Berliner Reden - jetzt hat er eine zu ihm passende Form gefunden. Fast ein Jahr ist Joachim Gauck im Amt, mit seiner Rede zur Lage der Europäischen Union beginnt er nun eine gesellschaftliche Debatte, die sich nicht nur aus seinen Reden speisen soll, sondern aus einer Abfolge von Symposien, Foren und Hintergrundgesprächen. "Bellevue Forum" hat der Bundespräsident diese Idee genannt; und auch, wenn Gauck sie erst noch mit Leben füllen muss, so lässt sich doch schon jetzt sagen, dass er einen vielversprechenden Weg gewählt hat. Dabei bedient sich der frühere Pastor seiner Grundtugenden, zu denen eben nicht nur die Gabe der wortmächtigen Rede gehört, sondern ebenso die des Zuhörens und Moderierens. Es ist Gaucks Stärke und zeugt von seinem Selbstbewusstsein und Charisma, dass er sich auch als Bundespräsident nicht verbiegen lässt und dem Amt Charakter gibt. Dazu gehört, dass das einst so hermetisch wirkende Schloss Bellevue immer mehr zu einem Ort der Begegnung wird. Gauck sperrt die Menschen nicht aus, er lädt sie ein. Dass er über die Inhalte seiner Europa-Rede demnächst mit Studentinnen und Studenten diskutieren will, zeigt, worum es ihm geht. Das Gefühl vieler Bürger, dem Bürokratie-Monstrum EU machtlos oder gleichgültig gegenüber zu stehen, nimmt der Bundespräsident ernst und fordert sie auf, sich einzumischen, mitzugestalten. Natürlich, der Bundespräsident kann mit seiner Rede die großen Probleme der EU nicht lösen, aber er hat sie benannt, und er versucht, Lösungswege zu thematisieren. Und genau das ist seine Aufgabe, die praktische Politik muss hingegen Angela Merkel gestalten. Dass sie sich gestern nicht zu Gaucks Worten äußerte, fiel auf. Schließlich war er es, der die Europapolitik der Kanzlerin kritisiert hat. Sie müsse sie mehr erklären, lautete sein Appell. Nun hat er für Merkel diese Aufgabe übernommen. Ein Fingerzeig! Und genau dafür gibt es das Amt des Bundespräsidenten. Gauck beweist einmal mehr, dass er der Richtige für dieses Amt ist.

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