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Börsen-Zeitung: Spitz auf Knopf, Kommentar zu Air Berlin von Lisa Schmelzer

Frankfurt (ots) - Für Air-Berlin-Chef Stefan Pichler ist die Abgabe von bis zu 40 Flugzeugen an Lufthansa ein "Win-win-Geschäft". Mit dieser Einschätzung dürfte er ziemlich alleine dastehen, zumindest, was den finanziellen Hintergrund der Transaktion angeht. Denn einen Deal zustande zu bringen, der einerseits für Air Berlin finanziell auskömmliche Leasingraten bereit hält und andererseits bei der Lufthansa die für den Günstigableger Eurowings benötigten niedrige Kostenbasis sicher stellt, gleicht der Quadratur des Kreises.

Noch ist nichts fix zwischen den beiden Fluglinien und deshalb ist auch ein Scheitern der Transaktion noch nicht ausgeschlossen. Der für Eurowings zuständige Lufthansa-Vorstand Karl Ulrich Garnadt betonte gestern, die Air-Berlin-Flieger auf das Kostenniveau der Eurowings zu bringen, sei Sache der Air Berlin. Wie das Management der Berliner Fluglinie das in der Kürze der Zeit schaffen soll, steht in den Sternen.

Apropos Kürze der Zeit. Einerseits ist die knappe Zeit bis zum Sommerflugplan 2017 - ab dann sollen die Flieger für Eurowings an den Start gehen - angesichts von bis zu 40 Maschinen, die integriert werden müssen, eine Herausforderung. Für Air Berlin könnte die Zeit bis Ende März 2017 aber trotzdem lang werden. Denn nun muss an Kosten geschraubt und gleichzeitig das Geschäft am Laufen gehalten werden. Mancher Reisender wird verunsichert sein, was genau nun mit dem Unternehmen passiert und ob er seinen Sommerurlaub überhaupt noch mit Air Berlin buchen kann. Das könnte das Geschäft belasten.

Zudem verbrennen Airlines in der Regel im Winter Geld, was angesichts der klammen Verfassung der Air Berlin existenzbedrohlich werden könnte. Für die Airline steht es also nach wie vor Spitz auf Knopf, Lufthansa-Deal hin oder her. Nicht ausgeschlossen, dass Großaktionär Etihad noch mal Geld nachschießen muss, die Spekulationen drehen sich um einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.

2018 will Air Berlin dank der Restrukturierung operativ schwarze Zahlen schreiben, ein ehrgeiziges Unterfangen. Das Langstreckengeschäft, auf dem künftig der Fokus liegt, wird alles andere als ein Selbstläufer, die Konkurrenz ist groß und das bereits vorhandene Überangebot auf dem Nordatlantik beschert derzeit allen sinkende Preise. Passenderweise hat Delta Air Lines am Donnerstag mitgeteilt, von Sommer 2017 an wieder auf der Strecke zwischen Berlin und New York zu fliegen. Schlechte Vorzeichen für Air Berlin, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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