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Börsen-Zeitung: Zehn Jahre unter null, Kommentar zu den Renditen der Bundesanleihen von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Beim Anblick der Geschehnisse auf den europäischen Rentenmärkten kann einem wahrlich angst und bange werden. Denn der komplette Verfall der Anleiherenditen, allen voran bei den Benchmark-Papieren der Eurozone - den Bundesanleihen - lässt nichts Gutes erahnen.

Am Mittwoch wurde der nächste Meilenstein gesetzt. Als zweites G7-Land nach Japan emittierte Deutschland nun eine neue zehnjährige Staatsanleihe mit einer negativen Rendite. Am Sekundärmarkt liegt der Satz ja schon seit einiger Zeit im roten Bereich, nun eben auch noch am Primärmarkt. Auch beim Kupon gibt es rein gar nichts mehr für die Anleger, da steht jetzt ebenfalls die Null drauf - dieser Meilenstein wurde tags zuvor bekannt gegeben.

Wer noch eine positive Rendite will, der muss weit nach vorne schauen. Da muss man das Geld dann schon in die Laufzeit 2031 investieren. Angesichts der Rasanz des Renditeabstiegs muss man sich nur fragen: Wie lange noch? Wahrscheinlich nicht mehr lange.

Es sind verschiedene Faktoren, die hinter dem Renditeverfall stehen. Dazu gehört der Brexit, der die Flucht der Anleger in den sicheren Hafen der Bundesanleihen antreibt. Damit einher geht auch die Erwartung, dass die unkonventionelle Geldpolitik der internationalen Zentralbanken noch anhält und womöglich noch ausgeweitet werden muss. Auch bei der US-Notenbank setzen viele Anleger darauf, dass sie zunächst bis zum Jahresende stillhält. Sollten sich die konjunkturellen Aussichten verschlechtern - ein Faktor, der die Anleger ebenfalls dazu ermutigt, weiter Bundesanleihen zu kaufen -, könnte die Fed auch noch länger in der Defensive bleiben oder sogar den Zinsschritt von Ende 2015 zurücknehmen. Auch die Furcht vor einer sich zuspitzenden Lage bei den Banken hält die Unsicherheit hoch. Das sorgt für weitere Bondkäufe.

Das sind alles keine rosigen Nachrichten. Und in dieser Gemengelage werden die Renditen wohl noch weiter nach unten befördert werden. Fragt sich nur, wie weit noch? In der Schweiz ging gestern nun schon ein Staatsbond mit der Laufzeit 2058 zu einer negativen Rendite über den Tisch. Auch das lässt nichts Gutes erahnen. Man kann wirklich nur noch hoffen, dass es nicht so faustdick kommt, wie der Rentenmarkt es derzeit andeutet. Und hoffentlich bekommt die Überschrift "Zehn Jahre unter null" nicht irgendwann die Bedeutung "Zehn Jahre lang unter null". Das wäre aus heutiger Sicht wirklich das schwärzeste Markt- und Konjunkturszenario, das man sich ausmalen kann.

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