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Börsen-Zeitung: Logische Empfehlung, Kommentar zu Volkswagen von Carsten Steevens

Frankfurt (ots) - Wegen unvertretbarer Risiken verschob Volkswagen vor drei Wochen die zuvor bis Ende April angekündigte Veröffentlichung von Zwischenergebnissen der in Auftrag gegebenen externen Untersuchung zur Dieselabgas-Affäre. Im vierten Quartal soll die Untersuchung, von der sich der Autobauer die lückenlose Aufklärung der Software-Manipulationen bei weltweit rund 11 Millionen Dieselfahrzeugen verspricht, abgeschlossen sein. Auf Basis der heute vorliegenden Erkenntnisse empfiehlt der Aufsichtsrat der Hauptversammlung (HV) am 22. Juni gleichwohl die Entlastung der 2015 amtierenden Vorstandsmitglieder.

Der Vorschlag entspricht der schon kurz nach Bekanntwerden der Manipulationen im September vertretenen These des Unternehmens. Kursbewegend war die Mitteilung gestern deshalb nicht. Um sicherzugehen, hätte der Aufsichtsrat, der sich mit der Empfehlung für die um zwei Monate verschobene HV so lange wie möglich Zeit gelassen hat, die Entlastung der Vorstände bis zum Abschluss der Untersuchung vertagen müssen. Doch wäre von dieser Verschiebung nicht das Vertrauenssignal ausgegangen, das VW wohl vor allem mit Blick auf die bei der HV vorgesehene Wahl des bislang gerichtlich bestellten Aufsichtsratsvorsitzenden Pötsch aussenden will. Der Österreicher, der bis zum Wechsel ins Kontrollgremium im Oktober zwölf Jahre Finanzvorstand war, steht bei Investoren im Verdacht, über die möglichen finanziellen Risiken der Abgas-Affäre nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Mit der Begründung für die Empfehlung, es seien nach derzeitigem Kenntnisstand keine eindeutigen und schwerwiegenden Pflichtverletzungen von aktuellen oder ehemaligen Vorstandsmitgliedern festgestellt worden, hat VW nicht alle Zweifel ausgeräumt. Auf mögliche Schadenersatzansprüche werde mit dem Vorschlag nicht verzichtet. Unsicherheit bleibt damit wohl mindestens bis zum Jahresende bestehen. Der Vorschlag der Entlastung erscheint in Anbetracht der bislang bekannten Fakten aber logisch.

Weil fast 90% der Stimmrechte bei den Aktionärsfamilien Piëch und Porsche, dem Land Niedersachsen und dem Emirat Katar liegen, ist die Zustimmung für die Empfehlung auf der HV absehbar. Daran wird auch der britische Hedgefonds TCI nichts ändern. Die Attacke des Investors, der 2% der stimmrechtlosen Vorzugsaktien hält und VW zu mehr Effizienz und die Führung zu mehr Bescheidenheit drängt, ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass es Vorstand und Aufsichtsrat in der HV mit vielen frustrierten und zornigen Aktionären zu tun bekommen werden.

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