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Börsen-Zeitung: Die Wanne ist voll, Kommentar zu Union Investment von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegengehen." Mit dem Satz zitiert Union Investment anlässlich einer Ausstellung, mit der sie das gemeinhin schwer vermittelbare Thema Geldanlage erlebbar machen will, den griechischen Reeder, Nationalhelden und einst reichsten Bürger seines Landes, den 1975 verstorbenen Aristoteles Onassis. In diesem Sinne soll die kleine Schau, die bald in Volks- und Raiffeisenbanken zu sehen sein wird, angesichts der Abschaffung der Zinsen zu bewussteren Anlageentscheidungen ermutigen und Berührungsängste gegenüber Finanzthemen abbauen helfen.

Der Rat des Milliardärs mag grundsätzlich zielführend sein. Zu Union Investment und der Fondsbranche insgesamt passt er indes weniger, jedenfalls für das vergangene Jahr. Die Assetmanager und unter ihnen auf einem der vorderen Plätze die genossenschaftliche Gruppe mussten dem Geld nämlich nicht entgegengehen. Es wurde ihnen geradezu hinterhergeworfen. Bei der DZ Bank-Tochter klingt das so: bestes Neugeschäft seit Gründung vor 60 Jahren, verwaltetes Vermögen auf Höchststand, Rekordbetriebsergebnis von weit mehr als einer halben Mrd. Euro. Mit anderen Worten: Es hat Brei geregnet, und die Genossen haben nicht nur den Löffel hingehalten, sondern gleich die Wanne rausgestellt.

Die Akteure und ihre Aktionäre sollten nun gebührend feiern, die historischen Bestmarken des abgelaufenen Fondsjahres mit Goldrand versehen, sie einrahmen und als Erinnerungsstück aufhängen, um dereinst wehmütig an die guten alten Zeiten anno 2015 zurückzudenken. Denn so oder gar besser wird's für lange Zeit nicht mehr werden. Zu sehr sind Deutschland, Europa, die Welt politisch und wirtschaftlich in Unordnung geraten. Die ersten acht Wochen dieses Jahres waren gerade auch aus Anlegersicht lehrreich und schmerzhaft. Bei Performancebetrachtungen kommt es immer entscheidend auf den Einstiegszeitpunkt an. Und mancher, der im vorigen Jahr Union Investment und Co. das Geld hinterhergeworfen hat, könnte das eingedenk der jüngsten Marktverwerfungen schon bereut haben. Die extreme Volatilität ist eben absolut kontraproduktiv, wenn man den Deutschen ihr mitunter übertrieben wirkendes Sicherheitsdenken abgewöhnen will.

Klar, auch in einer Welt, die nur noch aus Krisenherden zu bestehen scheint, muss weiter Geld angelegt werden. Aber nicht allein die Sparer, vor allem auch die Fondsbranche und ihre Vertriebspartner selbst werden, ganz im Sinne von Onassis, dem Geld viel aktiver entgegengehen müssen. Hinterhergeworfen bekommen sie es nicht mehr.

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