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Börsen-Zeitung: Zu kurz gesprungen, Kommentar zum Sondergipfel zu Griechenland von Christof Roche

Frankfurt (ots)

Die Botschaft ist klar. Die Regierung Papandreou
ist in der Pflicht, die katastrophale Haushaltslage im Land selbst zu
bereinigen. Dazu wird Athen von drei unabhängigen Institutionen - 
EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler 
Währungsfonds (IWF) - überwacht, um über gezielte Maßnahmen die 
Staatsverschuldung zurückzufahren. Sollten die Investoren bei der 
Begebung griechischer Staatspapiere im April dennoch in den 
Käuferstreik treten, stehen die Euro-Staaten bereit, um Griechenland 
aufzufangen. Das Land, so die Ansage, zählt zur Eurozone - und es 
kann auf Solidarität, ungeachtet der spezifischen Hilfe, zählen.
Dieses politische Signal an die Finanzmärkte war überfällig - und 
es geht dennoch nicht weit genug. Es mangelt nämlich an einem 
sattelfesten Unterbau, um nicht nur Griechenland, sondern die ganze 
Währungsunion auf eine solidere Grundlage zu stellen. Denn auch 
andere Staaten wie Portugal und Spanien ächzen unter hohen 
Schuldenlasten. Darauf kann die Eurozone im Krisenfall nicht ständig 
mit Ad-hoc-Erklärungen reagieren. Was fehlt, ist eine überzeugende 
Strategie, um den Euro krisenfest zu machen. Dazu muss die Eurozone 
ihre wirtschafts- und finanzpolitische Koordinierung intensivieren. 
Der desolaten Haushaltslage der Krisenländer geht der permanente 
Verlust an Wettbewerbsfähigkeit voraus. Künftig müssen die nationalen
Reformen unter Aufsicht der Euro-Partner umgesetzt werden und dürfen 
nicht, wie im Fall Griechenland, über Jahre aufgeschoben werden. 
Außerdem müssen die Länder den Stabilitätspakt flankieren. 
Deutschland ist mit der Schuldenbremse in Vorleistung getreten und 
ist nicht umsonst der Rettungsanker, sollte es zum "Bail-out" kommen.
Das muss Berlin im Euroraum kommunizieren.
Und wenn es trotzdem kracht? Auch darauf muss sich Euroland 
einstellen, sollte aber auf bilaterale Hilfen oder auf 
IWF-Unterstützung verzichten. Denn das würde das politische 
Selbstverständnis der Währungsunion verletzen. Stattdessen muss die 
Währungszone ihren eigenen "Euro-Währungsfonds" gründen - mit ebenso 
starken Eingriffsrechten bis zur politischen "Enteignung", wenn 
Finanzhilfen fließen. Nimmt die Eurozone die wirtschaftliche 
Koordinierung ernst, wird es gar nicht erst zum Notfall kommen. Und 
falls doch, wäre sie mit dem "Euro-IWF" gerüstet. Schon das allein 
schreckt nämlich Spekulanten ab.

Pressekontakt:

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Redaktion

Telefon: 069--2732-0
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