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Börsen-Zeitung: Neue Baustellen, Kommentar zum Quartalsbericht der Commerzbank von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots)

Der Quartalsabschluss der Commerzbank
enttäuscht. Wer geglaubt haben sollte, mit der Vorabveröffentlichung 
einer Handvoll Eckdaten am Montag sei das Thema im Wesentlichen 
durch, der wurde gestern auf dem falschen Fuß erwischt. Der 
ausführliche Bericht zum 30. September enthielt noch eine Reihe 
faustdicker Überraschungen - überwiegend negative. Der Kursabschlag 
von 4,7% und die Übernahme der roten Laterne im Dax sind klare 
Hinweise, dass auch der Aktienmarkt erfreulichere Nachrichten 
erwartet hatte.
Das aktuelle Zahlenwerk und der Ausblick auf die nähere Zukunft 
geben erneut Anlass, sich um die Commerzbank große Sorgen zu machen. 
Alarmierend ist vor allem die Entwicklung der Kreditrisikovorsorge. 
Monatelang hatte der Vorstand gepredigt, das Volumen werde 2009 bei 
3,5 bis 3,6 Mrd. Euro, also auf dem Niveau des vorigen Jahres 
(Commerzbank plus Dresdner Bank) liegen. Nun soll es mit einem Mal 
ein Fünftel mehr sein: 4,2 Mrd. Euro. Allein im dritten Quartal 
überschritt der Vorsorgebedarf erstmals in diesem Jahr wieder die 
Milliardenschwelle. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank konnte ihre 
Wertberichtigungen zuletzt gegenüber dem Vorquartal auf 544 Mill. 
Euro fast halbieren.
Die Commerzbank scheint alte Baustellen gar nicht so schnell 
abarbeiten zu können, wie sich neue auftun. Kaum zeichnet sich bei 
den Ertragsbelastungen aus der Finanzkrise eine Entspannung im 
Vergleich zur früheren Prognose ab, tauchen Klumpenrisiken diesmal in
der Immobilien- und der Schiffsfinanzierung sowie wacklige 
Forderungen an ausländische Banken auf. Anderes Beispiel: Kaum 
profitieren die Abwicklungseinheit und damit endlich einmal das 
Handelsergebnis marktbedingt von Gewinnrealisierungen und 
Wertaufholungen, erleiden prompt die vermeintlich stabilen Bereiche 
Privatkundengeschäft und Mittelstandsbank einen operativen 
Schwächeanfall.
Der für das Gesamtjahr angekündigte Verlust - bereits in den 
ersten neun Monaten lief ein Fehlbetrag von 2,7 Mrd. Euro auf - würde
noch um 1,5 Mrd. Euro höher ausfallen, müssten die Gelben die stille 
Einlage des Bankenrettungsfonds verzinsen. Im Verlustfall bleibt 
dieses Eigenkapital gemäß den EU-Auflagen aber ertraglos - obwohl die
Bank mit der Anlage der Mittel Geld verdient. Es kann nicht 
verwundern, dass bei privaten Konkurrenten der teilverstaatlichten 
Commerzbank immer öfter von "Wettbewerbsverzerrung" die Rede ist.

Pressekontakt:

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Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de
Telefon: 069--2732-0

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