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Börsen-Zeitung: Die Bärenmarktrally, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

    Frankfurt (ots) - Verkehrte Welt? Das konjunkturelle Umfeld trübt sich diesseits und jenseits des Atlantiks spürbar ein. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Ifo-Geschäftsklimaindex, der unter allen Erwartungen hereinkam, ist erstmals auch in der Eurozone von einigen Ökonomen die Angst vor einer Rezession geäußert worden. Trotzdem hat der Dax in den vergangenen zwei Wochen ziemlich gut ausgesehen. Von rund 6000 Punkten ausgehend erklomm er in der gerade beendeten Börsenwoche ein Niveau jenseits der 6550 Punkte, das er allerdings nicht verteidigen konnte. Nimmt man den Tiefst- und den Höchststand als Maßstab, so war eine Erholung um fast 10% zu beobachten.

    Rosarote Brille

    Dabei haben die Investoren auf fast alles, was sich irgendwie positiv interpretieren ließ, mit Käufen reagiert. Es reichte beispielsweise schon aus, dass die horrenden Verluste der krisengeschüttelten US-Banken etwas niedriger ausfielen als gemäß der Konsensschätzung der Analysten erwartet. Und nimmt man die laufende amerikanische Berichtssaison als Maßstab, so haben nach Berechnungen von US-Analysten von etwa 200 Unternehmen aus dem S&P500 immerhin rund 150 die Erwartungen der Analysten erfüllt oder übertroffen. Diese Prognosen waren allerdings in den meisten Fällen so weit nach unten korrigiert worden, dass die ausgewiesenen Zahlen eigentlich niemanden erfreuen dürften.

    Eine solche Entwicklung am Aktienmarkt kann nicht als nachhaltig angesehen werden. Was sich in der gerade beendeten Handelswoche beobachten ließ und was sich vielleicht noch eine kurze Zeit fortsetzt, ist nichts anderes als eine Bärenmarktrally. Darunter versteht man eine kurze, teilweise heftige, keinesfalls aber dauerhafte Erholung in einem Marktumfeld, das durch einen länger anhaltenden Abschwung gekennzeichnet ist. Auch wenn der Dax die gerade beendete Handelswoche lediglich mit einem kleinen Plus von 0,9% beendet hat, sollte daraus nicht geschlossen werden, dass der Wendepunkt bereits erreicht ist und dass es von nun an wieder aufwärts geht.

    In eine derartige Bullenfalle waren viele Analysten bereits im Frühjahr getappt. Sie hatten sich von einer Phase, in der negative Nachrichten aus dem Bankensektor weitgehend ausblieben, dazu verleiten lassen, das Ende der Krise zu verkünden. Dies hat sich freilich als Trugschluss erwiesen, im Frühsommer hatte die Krise dann bekanntlich einen neuen Höhepunkt erreicht.

    Auch aktuell sieht bei einer nüchternen Betrachtung alles danach aus, als dass den Märkten Finanzkrise und Baisse noch für eine ganze Weile erhalten bleiben. Dafür spricht beispielsweise, dass viele Unternehmen und Branchen ihre Ausblicke derzeit spürbar zurücknehmen - am deutlichsten war dies in den vergangenen Tagen in der Automobilindustrie zu beobachten. Die Krise hat die Realwirtschaft erreicht, es sieht nach einer Verschärfung der konjunkturellen Lage aus.

    Zudem dürfte nun ein wichtiger Faktor wegfallen, der den Märkten in den vergangenen zwei Wochen Auftrieb gab. Der Ölpreis ist in dieser Zeit um rund 20 Dollar je Barrel abgestürzt. Momentan hat er sich zwischen 125 und 130 Dollar eingependelt, wo er nach Meinung von Analysten vorerst bleiben dürfte. Ein weiterer Rückgang ist jedenfalls unwahrscheinlich, weil in den USA die Hurrikan-Saison beginnt und sich die spekulativen Investoren in größerem Umfang vom Ölmarkt zurückgezogen haben.

    Eintrübung der Ertragslage

    Und was die US-Quartalsergebnisse betrifft, so ist zu berücksichtigen, dass sich die Unternehmen in einem Umfeld recht drastischer Zinssenkungen durch die Federal Reserve und Steuerrückzahlungen an die Konsumenten durch die US-Regierung befanden. Auch die Wirkung dieser beiden marktstützenden Faktoren wird aber in Kürze auslaufen. Damit ist von einer weiteren deutlichen Verschlechterung der Ertragslage der Unternehmen auszugehen.

    Investoren ist insofern anzuraten, weiterhin Vorsicht walten zu lassen und bei Aktienkäufen äußerst selektiv vorzugehen. Für einen breiten Wiedereinstieg in den Markt ist es noch viel zu früh - dazu müsste es im Markt erst noch zu einer echten Ausverkaufsstimmung kommen, von der aber noch nichts zu spüren ist.

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