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Der Tagesspiegel: Inlandspresse/ "Der Tagesspiegel" aus Berlin meint zum UN-Bericht über die Ermordung des libanesischen Politikers Rafik Hariri:

Berlin (ots)

Es kommt nicht oft vor, dass ein Berliner
Staatsanwalt einen Despoten wanken lässt. Aber der UN-Bericht von 
Detlev Mehlis über die Ermordung des libanesischen Politikers Rafik 
Hariri könnte das Regime Baschar al Assad zum Einsturz bringen.
Mehlis versammelt unzählige Belege dafür, dass der syrische 
Geheimdienst mit seinen libanesischen Handlangern monatelang auf 
jenen Anschlag hingearbeitet hat, bei dem insgesamt 22 Menschen 
starben. Mehr noch: Mehlis hält es für wahrscheinlich, dass viele, 
wenn nicht alle der 13 seitdem verübten Bombenattentate in Libanon 
ebenfalls auf das Konto Syriens gehen. Der Diktator in Damaskus ist 
angezählt - endlich. Syrien ist eines der repressivsten Regime im 
ganzen Nahen Osten und einer der geschlossensten Staaten der Welt. 
Aber anders als sein Vater Hafis hat Baschar al Assad kein Gefühl 
dafür entwickelt, das Spiel nicht zu weit zu treiben. Denn wer auf 
vielfältige Weise in der Region destabilisierend wirkt, muss damit 
rechnen, irgendwann zur Rechenschaft gezogen zu werden. Der Fall 
Syrien wird gerade zu einem Exempel, wie das erfolgreich geschehen 
kann - ganz ohne US-Alleingänge oder Militäraktionen. Etwa indem 
Europa und Amerika an einem Strang ziehen. Denn wie aus den von 
Mehlis aufgezeichneten Protokollen des entscheidenden 
Zusammentreffens von Hariri und Assad in Damaskus hervorgeht, wusste 
Baschar genau, wer ihn aus Libanon vertreiben würde: die Franzosen 
nämlich, die sich hier einmal mit den Amerikanern zusammengetan 
haben. Ein großes Lob gilt aber auch den UN. Wenn alle Abteilungen 
dort so effizient und professionell arbeiten würden wie die 
Kommission von Detlev Mehlis, würde die Kritik am UN-Wasserkopf bald 
verstummen. Bei jenem letzten Treffen zwischen Hariri und Assad hat 
letzterer gedroht: "Ich werde Libanon auf deinem Kopf zerbrechen." 
Hariri hat der syrische Diktator schon zerbrochen. Nun liegt es am 
UN-Sicherheitsrat, Assad mit der Androhung von Sanktionen von seinen 
destabilisierenden Aktionen in Libanon und anderswo in der Region 
abzubringen. Wenn dabei noch Assads Regime fällt, hätten die UN auch 
den unterdrückten Syrern einen Gefallen getan.

Rückfragen bitte an:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-419
Fax: 030-260 09-622
thomas.wurster@tagesspiegel.de

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