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Der Tagesspiegel: Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Schwesig: Auch die Opfer gehören an den Runden Tisch

Berlin (ots) - Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat gefordert, dass am Runden Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch auch die Opfer selbst gehört werden. Es sei wichtig, "dass nicht immer nur andere für die Opfer sprechen, sondern dass sie auch für sich selbst sprechen können", sagte die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende, die dem Gremium angehört, dem Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). In dieser Frage müsse der Runde Tisch "noch einmal umdenken". Sie finde es "sehr schwierig, dass wir dort nicht einen einzigen Betroffenen gehört haben. Wir sprechen alle sicherlich mit gutem Willen für die Opfer, aber ihnen ist es vor allem wichtig, dass sie nicht immer fremdbestimmt sind, sondern dass sie direkt gehört werden", sagte Schwesig. Betroffene sollten auch in den Arbeitsgruppen zu Wort kommen. Der Runde Tisch hatte erstmals am 23. April getagt. Die SPD-Politikerin, die auch Vorsitzende der Konferenz der Jugend- und Familienminister ist, wies den Vorwurf zurück, Opfer sexuellen Missbrauchs in DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen würden am Runden Tisch keine Rolle spielen, weil sie dort praktisch nicht vertreten seien. "Wir haben uns am Runden Tisch darauf verständigt, dass das Thema des sexuellen Missbrauchs in DDR-Kinderheimen in dieses Gremium gehört", sagte sie. Darauf habe sie sich bereits im Vorfeld mit den Familien- und Sozialministern der neuen Länder geeinigt. "Wir wollen nicht, dass es extra einen ,Runden Tisch DDR' gibt. Jedes Opfer hat das gleiche Recht auf Aufarbeitung, auf Unterstützung und eventuell Entschädigung." In Mecklenburg-Vorpommern seien bislang 42 Fälle sexuellen Missbrauchs in DDR-Kinderheimen bekannt geworden, sagte Schwesig. Den meisten Betroffenen gehe es nicht vorrangig um Entschädigung für erlittenes Unrecht. Ihnen sei wichtig, eine Anlaufstelle zu haben, "wo sie gehört werden und wo sie Zuwendung bekommen". Es sei "eine große Aufgabe, eine gesellschaftliche Haltung zu diesem Thema zu entwickeln, die klar macht, dass Schuld und Scham nicht bei den Opfern liegt, sondern dass Schuld und Scham bei den Tätern liegen muss", sagte die Ministerin.

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