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Schwäbische Zeitung: Leitartikel zur Kölner Silvesternacht: Ungeheuerliches ist geschehen

Ravensburg (ots) - Weltweit berichten die Medien über die Ereignisse aus der Kölner Silvesternacht. Dabei geht unter, dass auch in Hamburg und Stuttgart Frauen sexuell genötigt, beschimpft, beleidigt und ausgeraubt wurden. In der Bundesrepublik sind zum Jahreswechsel ungeheuerliche Dinge geschehen. In aller Öffentlichkeit und trotz Videoüberwachung sowie zahlreicher Polizisten vor Ort wurden Frauen zum Ziel widerlicher Angriffe. Vieles spricht dafür, dass diese Attacken organisiert waren. Wer sich darüber nicht empört, dem kann ein Mangel an Empathie für die Opfer oder allgemein fehlendes Rechtsbewusstsein vorgeworfen werden.

Der Polizei liegen Zeugenaussagen vor, dass die Täter mehrheitlich aus Nordafrika oder dem arabischen Raum stammen. Nun sind die Sicherheitsbehörden am Zug. Sie besitzen die Instrumentarien bis hin zur Abschiebung. Neben dem berechtigten Zorn gibt es auch Kopfschütteln über die Medien. Vor allem in den sozialen Netzwerken wird der Verdacht geäußert, es gebe eine Kumpanei zwischen Behörden und Presse, da die Berichterstattung erst schleppend in Gang gekommen ist. Tatsächlich muss eingeräumt werden, dass erste Meldungen ob ihres realen Ausmaßes unterschätzt wurden. Zahlreiche Fragen sind auch Tage später unbeantwortet. Wilde Spekulationen und Erklärungen gibt es hingegen zuhauf. Dass nun die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wegen ihres unglücklichen und sinnlosen Armlängen-Distanz-Vorschlags ins Visier der Internet-Meute geraten ist, zeigt die Erbarmungslosigkeit im Netz. Kürzlich überlebte Reker nur knapp einen Mordanschlag, weil sie den Attentäter zu nah an sich herankommen ließ.

Natürlich überschlagen sich die Forderungen an Politik und Polizei. Und leider gibt es bereits die ersten gegenseitigen Schuldzuweisungen. Skrupellose Bandenkriminalität wird aber nicht per Pressemitteilung oder Fernsehauftritt bekämpft. Wenn es darum geht, Frauen vor Kriminellen zu schützen, ist wahrscheinlich neben dem Ruf nach Polizei auch Zivilcourage gefragt.

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