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Schwäbische Zeitung: Durchsichtiges Kalkül

Ravensburg (ots) - Alexis Tsipras verlangt von Deutschland Reparationszahlungen in Milliardenhöhe. Formalrechtlich dürfte es schwierig werden, solche Forderungen durchzusetzen. Es gibt Verträge, die weitere Zahlungen ausschließen, auch Griechenland hat sie unterschrieben. Und selbst wenn die Summe von elf Milliarden Euro, von der die Rede ist, noch offen wäre: Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren als Bürge für die griechischen Schulden um ein Vielfaches engagiert. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Griechenland sie jemals komplett wird begleichen können. Und selbst bei einem Erlass wäre Athen immer noch hoch verschuldet. Reparationszahlungen könnten die griechische Finanzmisere nicht lösen.

Tsipras hat Anderes im Sinn. Bereits der Wahlkampf des Linksaußen-Politikers war auf Vorbehalte in der Bevölkerung gegen Deutschland aufgebaut. Die schürt er nun weiter. Das bringt emotionale Zustimmung im eigenen Land, und es soll einen gewissen moralischen Druck auf die Deutschen aufbauen. Das Kalkül dürfte aber fehlschlagen. Berlin wird sich hüten, den Forderungen stattzugeben, weil andere Länder, die ebenfalls unter dem Nazi-Terror und den Kriegsfolgen zu leiden hatten, dem griechischen Vorbild folgen könnten. Die historische Schuld der Deutschen ist durch Geld sowieso nicht zu begleichen.

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