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Schwäbische Zeitung: GDL-Chef hat sich disqualifiziert

Ravensburg (ots) - Gut 0,02 Prozent der Bevölkerung legen zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen die Deutsche Bahn lahm. Millionen Menschen sind von dem neuesten Ausstand der Lokführer betroffen. 50 Stunden sollen nach dem Willen der kleinen Gewerkschaft GDL keine Züge mehr durch die Republik fahren. Und das an einem Wochenende, an dem in sieben Bundesländern die Ferien beginnen und in zweien aufhören. Verhältnismäßigkeit sieht anders aus, und Freunde macht man sich auf diese Weise auch nicht.

Natürlich weiß all das auch GDL-Chef Claus Weselsky. Doch er hat sich so verrannt, dass es für ihn schwierig sein dürfte, irgendwann noch einmal als seriöser Gesprächspartner wahrgenommen zu werden. Seine Arbeitskampf-Rhetorik, die Bahn müsse ihre Blockade beenden, zeugt eher von Verzweiflung als von taktischer Finesse. Die Bahn hat ein Angebot vorgelegt, das fünf Prozent Lohnsteigerung plus Einmalzahlung binnen 30 Monaten vorsieht. Davon träumen andere Branchen. Wer wo und wann blockiert, dürfte damit eindeutig sein.

Weselsky geht es nicht um die Anhebung der schmalen Löhne seiner Gewerkschaftsmitglieder. Er steckt im Machtkampf mit der ungleich größeren Arbeitnehmerorganisation EVG um den Vertretungsanspruch einzelner Berufsgruppen. Arbeitsministerin Andrea Nahles will zum Ärger von Weselsky oder auch der Pilotengewerkschaft Cockpit den Einfluss kleiner Spartengewerkschaften zurückdrängen und ein Gesetz zur Tarifeinheit vorlegen. Die Große Koalition möchte erreichen, dass für eine Firma auch nur ein Tarifvertrag gilt. Das würde die Monopolisierung durch eine große Gewerkschaft bedeuten und de facto das Streikrecht einschränken. Kurzum: Dieses Gesetzesvorhaben wird wahrscheinlich vor dem Bundesverfassungsgericht landen.

Die GDL muss sich vorwerfen lassen, dass sie viele Argumente geliefert hat, warum ein solches Gesetz sinnvoll wäre. Eine Regierung kann eben nicht dabei zusehen, wie eine kleine, gut organisierte Berufsgruppe ein ganzes Land blockiert.

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