Alle Storys
Folgen
Keine Story von DIE ZEIT mehr verpassen.

DIE ZEIT

Vitali Klitschko warnt vor einer Nato-Mitgliedschaft für die Ukraine

Hamburg (ots)

Der ukrainische Boxer Vitali Klitschko warnt vor einer Nato-Mitgliedschaft für sein Land. "Mir leuchtet ein, was eine Mitgliedschaft in der Nato der Ukraine bringt - aber ich halte sie trotzdem für gefährlich. Die Ukraine ist in dieser Frage tief gespalten. Für die unter 30-Jährigen mag ein Nato-Beitritt akzeptabel sein, für die aber Älteren nicht", sagt der 37-Jährige der ZEIT. Zu viele Menschen seien mit Propagandabildern der "bösen" Nato aufgewachsen. Er selbst habe in seiner Kindheit ein riesiges Propagandaplakat von Nato-Soldaten vor seinem Fenster hängen gehabt. "Er hatte eine schreckliche Fratze, seine Hände waren voll Blut ... Beim Anblick des Plakates bekam ich jedes Mal einen Schrecken ... Unter dem Plakat stand geschrieben: 'Der Nato-Soldat will unsere Freiheit'." Sehr viele Menschen in der ehemaligen Sowjetunion hätten bis heute dieses Bild in ihren Köpfen.

An die Sowjetunion sei er während der Olympischen Spiele in Peking erinnert worden. "Man spürt die Macht und Stärke des Systems, man spürt aber auch Angst. Die Menschen haben Respekt vor dem Staat, aber dieser Respekt erwächst aus der Furcht. Genauso, wie es in der Sowjetunion war", sagt Klitschko.

Im Zusammenhang mit dem Georgienkrieg warnt Klitschko vor einer Verteufelung Russlands. Für die Ukraine sehe er keine Gefahr einer russisch-ukrainischen Auseinandersetzung um die Krim. "Man kann natürlich alles sehr düster sehen und davon ausgehen, dass Russland als Imperialmacht wieder erstarkt. Sicher ist es bedrohlich, wenn der eigene Nachbar sehr viel mächtiger ist, aber die Situation in der Ukraine ist mit Georgien nicht vergleichbar. Wir sollten einen kühlen Kopf bewahren."

Klitschko hatte 2004 die Orange Revolution unterstützt, die einen Regimewechsel in der Ukraine herbeiführte. Er berät heute den ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko. In diesem Jahr kandidierte er zum zweiten Mal um das Amt des Oberbürgermeisters von Kiew. Er verlor gegen seinen Konkurrenten Leonid Tschernowitzki.

Pressekontakt:

Das komplette ZEIT-Interview der nachfolgenden Meldung senden wir
Ihnen für Zitierungen gern zu. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte
an Elke Bunse, DIE ZEIT Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Tel.:
040/3280-217, Fax: 040/3280-558, E-Mail: elke.bunse@zeit.de)

Original-Content von: DIE ZEIT, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: DIE ZEIT
Weitere Storys: DIE ZEIT
  • 03.09.2008 – 11:01

    Schreiner fordert von SPD endgültige Abkehr von Agendakurs

    Hamburg (ots) - Der SPD-Sozialexperte Ottmar Schreiner hat seine Partei aufgefordert, sich stärker von der Agenda 2010 zu verabschieden, als sie es bisher getan hat. "Die SPD kann nur erfolgreich sein, wenn sie sagt, was Sache ist", schreibt Schreiner in seinem neuen Buch Die Gerechtigkeitslücke, das kommende Woche in Berlin vorgestellt wird und der ZEIT vorliegt. "Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass die ...

  • 03.09.2008 – 11:00

    Wallraff begrüßt Bau der Großmoschee in Köln

    Hamburg (ots) - Der Schriftsteller Günter Wallraff begrüßt den vergangene Woche beschlossenen Bau der umstrittenen Großmoschee in Köln. Der ZEIT sagt Wallraff, der in der Nähe des geplanten Gotteshauses lebt: "Ich wohne seit 1967 hier, das Viertel hat sich auch durch die türkischen Einwanderer positiv verändert, sie haben Billigläden durch nette Cafés ersetzt. Diese Moschee gibt es ja schon lange, jetzt wird an ...

  • 28.08.2008 – 08:00

    Wilhelm Wieben: Ich brauche meinen Freiraum

    Hamburg (ots) - Tagesschau-Legende Wilhelm Wieben kann zu viel Nähe nur schwer ertragen: "Ich hatte als Kind nie ein eigenes Zimmer, nie ein eigenes Bett", sagt er im aktuellen ZEITmagazin, "deswegen brauche ich meinen Freiraum". 14 Tage habe er einmal mit einem Mann zusammengelebt: "Es war eine Katastrophe." Wieben, dessen Homosexualität 1995 durch eine Äußerung von Inge Meysel bekannt wurde, hat das seiner ...