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10.12.2019 – 16:03

Helmholtz Zentrum München

Drei ERC Consolidator Grants für eine Vision: Die Gesundheit des Menschen mit innovativer Forschung verbessern

Drei Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München sind Gewinner des Wettbewerbs um Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC). Ali Ertürk, Carsten Marr und Gil Westmeyer können damit ihre Pionierarbeit in der biomedizinischen Forschung mit neuartigen Methoden basierend auf künstlicher Intelligenz oder biologischer Bildgebung vorantreiben.

"Spitzenforschung lebt von visionären Köpfen", sagt Prof. Matthias Tschöp, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums München. "Die prämierten Projekte unserer Forschenden haben alle eines gemeinsam: Sie entwickeln innovativste technologische Verfahren, um Lösungen für die drängenden gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit zu finden."

Die einzelnen Projekte der Wissenschaftler im Überblick:

- Ali Ertürk: CALVARIA - Die Schädeldecke im Fokus neurodegenerativer 
  Krankheiten Neurodegenerative Erkrankungen sind häufig mit einer Entzündung 
  des Gehirns verbunden. Aufgrund ihrer direkten Verbindung mit der Hirnhaut 
  (über sog. Skull Meninges Connections, SMCs) ist die Schädeldecke (Calvaria) 
  möglicherweise ebenfalls direkt an diesen Erkrankungen beteiligt. Da die 
  Schädeldecke besser zugänglich ist als das Gehirn, könnten Biomarker dort 
  einfacher und schneller identifiziert werden. Ali Ertürk will daher die 
  zellulären Eigenschaften der Calvaria weiter erforschen. Mithilfe von 
  Technologien wie dem Tissue Clearing und Deep-Learning-Algorithmen werden dazu
  murine und menschliche Modelle mit akuter und chronischer Neuroinflammation 
  untersucht. Die Analyse der Schädeldecke soll Diagnosemöglichkeiten für 
  Neurodegenerationen wie Schlaganfall oder Demenz liefern. Auch eine mögliche 
  therapeutische Manipulation der Schädeldecke für diese Erkrankungen wird 
  erforscht. Neue Erkenntnisse über den gesunden und erkrankten Zustand der 
  Calvaria könnten schließlich diagnostische und therapeutische Targets liefern,
  um das Risiko neurologischer Erkrankungen zu mindern. Ertürk warb die 
  Förderung für dieses Projekt gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität 
  (LMU) ein.   
- Carsten Marr: Computational Hematopathology - Blutkrankheiten besser 
  verstehen Trotz Jahrzehnten intensiver Forschung an Blutkrankheiten fehlen 
  weiterhin Methoden, um die Dynamik von Blutzellen genau vorherzusagen. Dabei 
  sind viele Mechanismen und Entwicklungsschritte von Blutstammzellen bekannt, 
  und Kliniken und medizinische Labore erfassen für jeden Patienten eine enorme 
  Anzahl an Daten. Die Auswertung dieser Daten geschieht jedoch weiterhin meist 
  manuell, ist daher nicht standardisiert, zeitaufwändig, und Experten 
  vorbehalten. Insbesondere bei großen Bilddaten wie Blut- und 
  Knochenmark-Ausstrichen geraten Experten an ihre Grenzen. Carsten Marr will 
  diese Daten mittels künstlicher Intelligenz und mathematischer Modelle 
  analysieren. Zusammen mit seinem Team wird er Algorithmen und Softwaretools 
  für die automatisierte Klassifizierung Bilddaten entwickeln, die eine 
  reproduzierbarere und präzisere Diagnose ermöglichen. Mit den Ergebnissen 
  dieser Klassifikation wird dann ein mathematisches Modell parametrisiert, um 
  die Dynamik von gesunden oder kranken Blutzellen vorherzusagen. Dies soll die 
  Diagnose von Blutkrankheiten standardisieren und damit die Behandlung von 
  Patienten mit hämatologischen Malignomen verbessern.   
- Dr. Gil Westmeyer: EMcapsulins - Neuronale Informationsverarbeitung sichtbar 
  machen Gehirne bestehen aus verzweigten Netzwerken von Nervenzellen in denen 
  sich Informationen auf eine ähnlich komplexe Weise bewegen wie 
  Verkehrsteilnehmer im Straßennetz. In Zusammenarbeit mit der Technischen 
  Universität München (TUM) will Gil Westmeyer biotechnologische Verfahren 
  entwickeln, mit deren Hilfe sich besser verstehen lässt, wie neuronale 
  Netzwerke Informationen verarbeiten und speichern. Die Elektronenmikroskopie 
  liefert bisher die detaillierte Anatomie der Nervenzellnetzwerke, also eine 
  statische Karte des Straßennetzes. Über die molekularen Aktivierungsmuster, 
  also die Verkehrsbewegungen, gab die Elektronenmikroskopie bislang jedoch 
  keinen Aufschluss. Westmeyer wird daher neuartige genetisch enkodierte Marker 
  in Nervenzellen einsetzen, die molekulare Zustände der Neuronen direkt in der 
  Elektronenmikroskopie mehrfarbig visualisieren. Die dabei entstehenden 
  funktionalen Karten können neue Erkenntnisse zu den zellulären Mechanismen 
  neuronaler Informationsverarbeitung und ihrer Störung in neuropsychiatrischen 
  Erkrankungen ermöglichen.   

Weitere Informationen zu den ERC Consolidator Grants

Ziel der ERC Consolidator Grants ist es, Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Konsolidierung ihrer Forschungsgruppe zu ermöglichen. In unabhängigen Peer-Review-Verfahren werden die Forschenden auf Basis der Exzellenz ihrer Forschungsleistung und ihrer Vorhaben ausgewählt. Die maximale Fördersumme für ERC Consolidator Grants als Teil des EU-Förderprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 beträgt zwei Millionen Euro für eine Laufzeit von maximal fünf Jahren. In diesem Wettbewerb erhielten 301 Forschende aus Europa Fördermittel in Höhe von 600 Millionen Euro. Deutschland ist das Land, das die meisten ERC Consolidator Grants einwerben konnte. Details dazu finden Sie in der Pressemitteilung des ERC.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 19 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de

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Geschäftsführung: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Matthias H. Tschöp, Kerstin Günther
Registergericht: Amtsgericht München HRB 6466
Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 129521671
Aufsichtsratsvorsitzende: MinDir'in Prof. Dr. Veronika von Messling