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19.02.2001 – 11:36

BR Bayerischer Rundfunk

REPORT aus München
Wolffsohn: "Cohn-Bendit kein jüdisches Alibi für Joschka Fischer"

München (ots)

Zur Fragestunde im Bundestag am Mittwoch und zur
Freundschaft Fischers zum Europa-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit
äußerte sich heute der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn
gegenüber dem ARD Magazin Report aus München: "Cohn-Bendit und seine
Zeitung der "Pflasterstrand" waren damals wild antizionistisch bzw.
antiisraelisch. Die Tatsache, dass mein jüdischer Glaubensgenosse
Herausgeber war ändert an dieser Tatsache nichts. Eine Schweinerei
wird nicht dadurch koscher, dass der Koch Jude ist.  Cohn-Bendit
eignet sich nicht als jüdisches Alibi für Joschka Fischer, wie
Staatsminister Volmer in der Fragestunde des Bundestages uns
weismachen wollte. Wer zu Recht im Allgemeinen "gegen das Vergessen"
ist, sollte weder mit unserer Vergesslichkeit noch Dummheit rechnen."
Cohn-Bendit  war Mitherausgeber des Frankfurter Szenemagazins
"Pflasterstrand".
Ludger Volmer,  Staatsminister im Auswärtigen Amt, hatte in der
Fragestunde des Bundestags als Beleg für Fischers israelfreundliche
Haltung dessen Freundschaft zu Cohn-Bendit angeführt. Im Bundestag
ging es um die Teilnahme Fischers an einer PLO-Propagandakonferenz in
Algier im Jahr 1969. In der Schlußresolution dieser Konferenz
unterstützten die Teilnehmer den Kampf gegen Israel bis zum
"Endsieg".  Volmer sagte dazu im Bundestag: "...dass zu dem
Zeitpunkt, als diese Reise stattfand, Joschka Fischer mit Daniel
Cohn-Bendit bereits befreundet war, und von daher  (...) nie in die
Gefahr geriet, anti-jüdisch oder anti-israelisch sich grundsätzlich
zu positionieren."
Diese Verteidigung Fischers steht im Gegensatz zu Cohn-Bendits
Haltung gegenüber Israel in den 70er Jahren. Der Studentenführer
schrieb 1975 mit Blick auf die linkszionistische Bewegung in Israel
in seinem Buch "Der große Basar": "Es ist manchmal schwierig, sich
die Nazi-Ideologie von der Herrenrasse vorzustellen - hier in Israel
ist sie all gegenwärtig und greifbar. Eine ganze Generation von
Jugendlichen hält sich für die Herrenrasse. Die Israelis als
Herrenrasse und die Palästinenser als irrende Juden."
Veröffentlichung nur unter vollständiger Quellenangabe: "Report
aus München". Für Rückfragen steht Ihnen die Report-Redaktion zur
Verfügung: 089 - 3806-5263 oder -5111.
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