Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure e.V.

Berufsbezeichnung "Wirtschaftsingenieur(in)" in Gefahr

Berlin (ots) - Die Vergabe der Berufsbezeichnung "Ingenieur(in)" durch die Ingenieurkammern sowie die Festsetzung eines 70-prozentigen MINT-Anteils im Studium sind zwei der formulierten Bestrebungen der Bundesingenieurkammer bei der Vereinheitlichung der Ingenieurgesetze auf Bundesebene, die für diesen Herbst angestrebt ist. "Das ist inakzeptabel", kritisiert VWI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Wolf-Christian Hildebrand. Denn, so Hildebrand weiter, "mit den Forderungen der Bundesingenieurkammer wird das sehr erfolgreiche Berufsbild des Wirtschaftsingenieurs gefährdet."

Kompetenzen von Wirtschaftsingenieurinnen und Wirtschaftsingenieuren werden stark nachgefragt. Die Absolventinnen und Absolventen sind Ingenieure mit einem Blick für wirtschaftlichen Erfolg: interdisziplinär ausgebildete und flexibel einsetzbare Generalisten, die in Unternehmen an wichtigen Schnittstellenpositionen integrierende und leitende Funktionen übernehmen. Im Rahmen der geforderten Vereinheitlichung der Ingenieurgesetze der Bundesländer, die bereits in den letzten beiden Jahren aufgrund der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie novelliert worden und sehr unterschiedlich ausgefallen sind, besteht große Gefahr für das in der deutschen Hochschullandschaft etablierte und auf dem deutschen wie internationalen Arbeitsmarkt höchst erfolgreiche Konzept Wirtschaftsingenieurwesen und seiner Berufsbezeichung. Grund ist einerseits die Forderung der Bundesingenieurkammer eines vorgegebenen Technikanteils (MINT-Anteil) am Studium von mindestens 70 Prozent. Andererseits künftig allein über die Vergabe der Berufsbezeichnung "Ingenieur(in)" entscheiden zu wollen.

Aufgrund der Bologna-Reform können Hochschulen akademische Grade wie Dipl.-Ing. oder Dipl.-Wirt.-Ing. nicht mehr vergeben. Diese wurden europaweit von Bachelor- bzw. Mastertiteln mit den Zusätzen of Arts, of Science oder of Engineering abgelöst. Bisher können die Hochschulen jedoch im Rahmen der dem Zeugnis beiliegenden Begleiturkunde, dem Diploma Supplement, den Absolventinnen und Absolventen entsprechender Fachrichtungen das Recht verleihen, die Berufsbezeichnung Wirtschaftsingenieurin bzw. Wirtschaftsingenieur zu führen. "Die aktuelle Forderung der Bundesingenieurkammer gefährdet diese bewährte Praxis, da die Ingenieurkammern einiger Bundesländer Kontrolle und Genehmigungshoheit für die Führung der Berufsbezeichnung Ingenieur(in) beanspruchen", kritisiert VWI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Wolf-Christian Hildebrand. Die Forderung nach einer hochschulfremden Überprüfung der Absolventinnen und Absolventen sowie ihrer Berechtigung, den Ingenieurtitel zu tragen, ist ein massiver Eingriff in die Hochschulautonomie. Eine solche Regelung würde zudem den deutschen Hochschulen die Kompetenz absprechen, qualitativ hochwertige ingenieurwissenschaftliche Studiengänge zu konzipieren.

"Die Forderung der Bundesingenieurkammer ist inakzeptabel und beschädigt den Ruf der Fachdisziplin Wirtschaftsingenieurwesen", so VWI-Präsident Hildebrand, der an der Technischen Hochschule Brandenburg einen Lehrstuhl für Logistik und Organisation innehat. Diese Sicht teilen der Fachbereichs- und Fakultätentag Wirtschaftsingenieurwesen sowie weitere Ingenieurverbände und Interessengemeinschaften wie der Verband Deutscher Ingenieure. Die Strukturvorgaben für die Studienanteile hat der VWI in dem in Zusammenarbeit mit dem FFBTWI erarbeiteten Qualifikationsrahmen Wirtschaftsingenieurwesen niedergelegt, sie gelten als Richtlinie für die Akkreditierungsagenturen im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen in Deutschland. Mit diesem Qualifikationsrahmen Wirtschaftsingenieurwesen - und der Akkreditierung durch unabhängige Agenturen - wird die Qualität des Wirtschaftsingenieurstudiums ausreichend abgesichert. "Die Verleihung entsprechender akademischer Grade und Berufsbezeichnungen können und müssen allein in der Zuständigkeit der Hochschulen bleiben", betont Hildebrand.

Der VWI

Der Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure e.V. (VWI) wurde 1932 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Mit dem Ziel, Wirtschaftsingenieure und Wirtschaftsingenieurinnen in interdisziplinären Tätigkeitsfeldern zu fördern, hat sich der VWI als führender Verband des Wirtschaftsingenieurwesens etabliert und zählt mittlerweile über 6000 Mitglieder - Tendenz steigend. www.vwi.org

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