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Amnesty International

Folter an Kindern und Jugendlichen darf nicht länger verschwiegen werden
amnesty international zum Tag der Menschenrechte

Bonn / Berlin (ots)

Bitte beachten sie die Sperrfrist: 8. Dezember 2000, 0.01 Uhr
Seit 1997 in 50 Ländern Fälle von Folter an Kindern dokumentiert /
Heranwachsende besonders verletzliche Opfer staatlicher Übergriffe /
In bewaffneten Konflikten Angriffen aller Parteien ausgesetzt / Täter
werden kaum bestraft / Bundesregierung soll sich aktiv für Beendigung
der Folter einsetzen
Im Rahmen der Kampagne "Für eine Welt frei von Folter" fordert
amnesty international die Bundesregierung anlässlich des Tags der
Menschenrechte auf, sich aktiv dafür einzusetzen, dass Folter an
Kindern und Jugendlichen weltweit abgeschafft wird.
In dem heute veröffentlichten Bericht "Hidden scandal, secret
shame - Torture and ill-treatment of children" stellt amnesty
international fest, dass Folter an Kindern und Jugendlichen ein
weltweites Phänomen ist, das von der Öffentlichkeit bisher kaum
wahrgenommen wurde. Allein seit 1997 hat die
Menschenrechtsorganisation aus 50 Ländern Berichte über Folter und
Misshandlungen von Heranwachsenden erhalten. "Kinder gehören zu den
besonders verletzlichen Opfern staatlicher Übergriffe. Ihre
körperliche, soziale und psychische Entwicklung wird durch Folter und
Misshandlung oft anhaltend geschädigt. Doch nur selten finden sie
Gehör, noch seltener Gerechtigkeit. Wer Kinder foltert, muss in
vielen Ländern keine Strafe fürchten", erklärt ai-Generalsekretärin
Barbara Lochbihler
Die Gründe, aus denen Kinder und Jugendliche Opfer von Folter und
Misshandlung werden, sind vielfältig. Sie werden gefoltert, weil sie
in Krisengebieten leben, sich politisch engagieren, einer Straftat
verdächtigt werden oder einfach nur, weil sie einer
gesellschaftlichen Randgruppe angehören. Ihnen wird vom Staat Gewalt
angetan, um ihre Eltern oder nahe Verwandte zu zwingen, Informationen
preiszugeben oder sich den Behörden zu stellen. In Kriegs- und
Krisengebieten werden sie zum Ziel von Übergriffen sowohl von
staatlicher Seite wie von bewaffneten Oppositionsgruppen, um ihre
Angehörigen oder die Gemeinschaft der sie angehören, zu bestrafen.
Besonders Mädchen sind von Vergewaltigungen und anderen sexuellen
Übergriffen bedroht.
Gerade Kinder, die einer Straftat verdächtigt werden, laufen
häufig Gefahr misshandelt zu werden. Vor allem Straßenkinder, die
ihren Lebensunterhalt durch Bettelei, Kleinkriminalität oder
Prostitution sichern, sind von Misshandlungen bedroht. amnesty
international hat Übergriffe gegen Straßenkinder in vielen Staaten
dokumentiert. Dazu gehören u.a. Brasilien, Kolumbien, Indien, Nepal,
Kenia und Uganda.
Auch die Haftbedingungen gefährden in vielen Ländern die
Gesundheit und Sicherheit von Kindern. Jugendhaftanstalten befinden
sich häufig in Gebäuden, in denen Heizung, Licht und Belüftung
unzureichend sind. Minderjährige, die gemeinsam mit Erwachsenen
inhaftiert sind, werden leicht zur Zielscheibe von Übergriffen durch
ihre Mithäftlinge. Und selbst Erwachsene, deren Aufgabe es ist, für
sie zu sorgen, werden zu ihren Peinigern: In Jugendhaftanstalten und
Heimen werden sie geschlagen und sexuell missbraucht. Die State
Training School im US-Bundesstaat South Dakota wurde in einer
Gruppenklage beschuldigt, jugendliche Häftlinge teilweise über Nacht
mit gespreizten Armen und Beinen an ein Betonbett gefesselt zu haben.
Mädchen sollen zuvor von männlichen Aufsehern entkleidet worden sein.
"Überall auf der Welt beobachten wir ähnliche Muster der Folter
und Misshandlung von Heranwachsenden. Die Behandlung von Kindern
durch Polizeikräfte in China unterscheidet sich kaum von der in
Brasilien. Die Haftbedingungen sind in Paraguay und Russland
vergleichbar schlecht. Gewalt gegen Kinder in bewaffneten Konflikten
ist in Afghanistan nicht weniger verheerend als in Sierra Leone"
betont ai-Generalsekretärin Barbara Lochbihler.
Die Täter gehen in der Regel straflos aus, denn Minderjährige
haben erfahrungsgemäß weit weniger Möglichkeiten als Erwachsene, ihre
Rechte durchzusetzen. Viele Opfer schweigen über das erlittene
Unrecht, weil man ihnen oder ihren Familien Vergeltung angedroht hat.
Jugendliche, die trotz aller Schwierigkeiten den Mut aufbringen,
gegen staatliche Übergriffe Klage zu führen, machen oftmals die
Erfahrung, dass man sie dafür bestraft oder ihnen nicht glaubt.
Im weltweiten Kampf zur Abschaffung der Folter fordert amnesty
international die Bundesregierung deshalb auf:
  • Sich nachdrücklich dafür einzusetzen, dass möglichst bald ein starkes Zusatzprotkoll zur UNO-Anti-Folter-Konvention verabschiedet werden kann. Dadurch wird ein präventives Kontrollsystem mit Besuchen in Haftanstalten und Heimen ermöglicht, das für den Schutz von Kindern besonders wichtig ist.
  • In der bilateralen Zusammenarbeit darauf zu dringen, dass Menschenrechtserziehung zu einem festen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Polizei- und Sicherheitskräften wird.
  • Die Zahlungen an deutsche Rehabilitationszentren für Folteropfer zu erhöhen und dafür Sorge zu tragen, dass den fachärztlichen und fachpsychologischen Bescheinigungen über erlittene Folter bei allen Entscheidungen das ihnen zustehende Gewicht beigemessen wird.
Die UNO-Konvention über die Rechte der Kinder ist das
Menschenrechtsabkommen, dass von den meisten Staaten ratifiziert
wurde. Trotzdem setzen viele Regierungen die Verpflichtungen und
Prinzipien dieses Übereinkommens nicht um. Die Bundesregierung sollte
ihre bei der Ratifikation der Kinderrechtskonvention erklärten
Vorbehalte, vor allem hinsichtlich der Rechtsstellung minderjähriger
Flüchtlinge, zurücknehmen.
Wenn Sie Nachfragen haben, wenden Sie sich bitte an:
amnesty international - Berlin
Generalsekretariat 
IrisSchneider
 + 49 - (0)30 - 420248-15
 + 49 - (0)30 - 420248-30
Mobil  0171 - 752 97 76
amnesty international- Bonn
Pressestelle
+ 49 - (0)228 - 98373-306 / -0
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