Türkei: Caritas bilanziert erfolgreiche Erdbebenhilfe, nach wie vor besteht jedoch Hilfebedarf
Freiburg/Hatay (ots)
Drei Jahre nach dem Erdbeben leben mehr als 500.000 Menschen noch in provisorischen Unterkünften - Die Camps sind überfüllt und für vulnerable Gruppen wie Frauen und Kinder gefährlich - Syrische Geflüchtete sind besonders unter Druck, alle Notunterkünfte werden im Sommer schließen - Caritas international ist weiter vor Ort und hilft - Bittet um Spenden.
Drei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben, das im Südosten der Türkei und in Nordsyrien mehr als 62.000 Todesopfer forderte und weit über hunderttausend Menschen verletzte, zieht Caritas international eine positive Bilanz der geleisteten Hilfen. "Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern konnten wir mehr als 140.000 Menschen in der Türkei helfen. Sie erhielten Bargeld, Lebensmittelpakete, Kleidung und psychosoziale Hilfen. Durch unsere Spenderinnen und Spender war es uns zudem möglich, fast 1.500 Übergangshäuser zu bauen, in denen wir Erdbebenopfer unterbringen konnten. Dafür bin ich allen, die uns ihre Spenden anvertraut haben, sehr dankbar", sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas international und Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbandes. Gleichwohl schränkt er ein, dass weiterhin massiver Hilfebedarf bestünde. "Längst ist nicht alles gut. Immer noch sind Erdbebenopfer in Containern untergebracht. Besonders Geflüchtete aus Syrien stehen unter großem Druck, da die türkische Regierung plant, im Sommer alle Notunterkünfte endgültig zu schließen."
Laut türkischer Behörden leben noch rund 500.000 Menschen in provisorischen Containerstädten. Allein in der Provinz Hatay sind es fast 200.000 Menschen. Die Umstände sind dabei häufig miserabel. Die Containercamps sind überbelegt und die Infrastruktur ist überlastet. Immer wieder kommt es zu Wasser- und Stromausfällen und die sanitäre Situation ist sehr angespannt. Darüber hinaus bestehen für besonders schutzbedürftige Gruppen wie Frauen und Kinder hohe Risiken, Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt zu werden, da es an Schutzkonzepten mangelt.
Besonders schwierig ist die Lage der syrischen Geflüchteten, von denen bis zu 3,1 Millionen während des syrischen Bürgerkriegs in der Türkei Zuflucht suchten. Seit dem Sturz des syrischen Regimes sind 600.000 von ihnen in ihre Heimat zurückgekehrt, unter anderem, weil die Türkei ihre staatlichen Hilfen für sie erschwert hat. "Bei der Schließung von Containerdörfern stehen die syrischen Geflüchteten völlig ohne Hilfe da", sagt Müller. Rund ein Viertel der Menschen in der Türkei lebt nach offiziellen Angaben unter der nationalen Armutsgrenze. Die hohe Inflation und die fehlenden staatlichen Hilfen verschärfen zudem die wirtschaftliche Situation. "Laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen sind 50.000 Syrerinnen und Syrer in der Türkei auf Nahrungsmittel- und Bargeldhilfe angewiesen. Wir beobachten eine Zunahme von Kinderarbeit und eine Tendenz zu Frühverheiratung", so Müller.
Die fortlaufenden Hilfen von Caritas international und ihren Partnerorganisationen in der Provinz Hatay zielen auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in den Containerstädten ab. Die sanitäre Infrastruktur wird repariert und ausgebaut, zudem finden Schulungen zur Wartung statt. "Mit Bargeldhilfen unterstützen wir die Menschen zudem bei Mieten oder anfallenden medizinischen Kosten. Darüber hinaus fördern wir durch finanzielle Hilfen die Gründung von kleinen und mittleren Unternehmen, um Einkommensmöglichkeiten zu schaffen oder bestehende zu verbessern", erklärt der Leiter von Caritas international. Sozialpsychologische Hilfen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene stärken die Resilienz und Selbstständigkeit der vom Erdbeben betroffenen Menschen. "Der Bedarf an psychologischer Hilfe ist nach wie vor riesig."
Caritas international hat nach dem Erdbeben am 6. Februar 2023 umgehend mit ihrer Nothilfe begonnen. Nach drei Jahren wurden fast acht Millionen Euro an Spenden für die Unterstützung der Erdbebenopfer in der Türkei eingesetzt.
Caritas international bittet um Spenden:
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BIC: BFSWDE33XXX
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