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Das Erste: Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten Am Sonntag, 17. Juni 2018, 19:20 Uhr vom BR im Ersten

München (ots) - Moderation: Natalie Amiri

Geplante Themen:

Russland: Die Fußballweltmeisterschaft und Kadyrows Spiel
Der tschetschenische Präsident posiert mit dem berühmten Stürmer 
Mohamed Salah. Eine Sternstunde für Präsident Ramsan Kadyrow, der 
gern den Sport nutzt, um sich als großer Staatsmann darzustellen und 
seine Macht zu festigen. Nun also beherbergt Kadyrow die ägyptische 
Fußballnationalmannschaft. Menschenrechtsorganisationen sind 
entsetzt: Immer wieder verschwinden in der zur russischen Föderation 
gehörenden autonomen Republik Tschetschenien Menschen. Doch Kadyrow 
lockt nicht nur Topspieler, sondern auch zunehmend Kapital aus der 
arabischen Welt. Das Hotel, in dem die ägyptische Mannschaft wohnt, 
ist mit Geld aus den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert 
worden. Präsident Putin will sich so den Zugang zum Nahen Osten 
sichern. "Ramsan Kadyrow hat enge Beziehungen zur arabischen Welt, 
die in unserer Republik zu spüren sind", erklärt uns Nourith, der 
einen Fußballfanclub aufgebaut hat. Er verspricht sich nicht nur 
bleibende Fußballmomente, sondern auch noch engere Beziehungen zur 
arabischen Welt. Von den Emiraten bis nach Syrien bringt sich Kadyrow
zunehmend als Sondergesandter Putins ein: Tschetschenien - Putins Tür
zum Nahen Osten.
Autorin: Birgit Virnich, ARD Moskau

Türkei: Wahlentscheidung in Kurdistan
So wichtig wie bei dieser Präsidentschaftswahl am 24. Juni waren die 
Stimmen der Kurden selten. In dem im türkischen Südosten gelegenen 
Diyarbakir, der heimlichen Hauptstadt der Kurden, geben sich die 
Präsidentschaftskandidaten in diesen Tagen die Klinke in die Hand. In
der Region war bisher die prokurdische, oppositionelle HDP die 
stärkste Partei. Die zweitgrößte Partei war die AKP. Die HDP hat 
ihren inhaftierten früheren Parteichef Selahattin Demirtas als 
Präsidentschaftskandidaten aufgestellt. Sollte Erdogan nicht gleich 
in der ersten Wahl die 50-Prozent-Hürde nehmen, muss er 
voraussichtlich gegen Muharrem Ince, den Kandidaten der größten 
Oppositionspartei CHP, in einer Stichwahl antreten. Doch wem geben 
dann die HDP-Kurden ihre Stimme? Früher hätte die CHP in der Region 
keinen Blumentopf gewinnen können. Doch inzwischen gibt es viele 
Kurden, die dann Ince unterstützen würden. Das könnte Erdogan in der 
Stichwahl Schwierigkeiten machen.
Autor: Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

Türkei: EU-Hilfen für ein Regime?
"Das nutzt doch nur dem Machtapparat der Regierung Erdogan", sagt die
Journalistin Canan Coskun von der unabhängigen Zeitung Cumhuriyet. 
Sie ärgert sich über ein EUProjekt, bei dem mit rund 1,7 Millionen 
Euro Pressebüros in türkischen Gerichten geschaffen wurden. Da 
arbeiteten jetzt doch nur Getreue von Erdogan - unabhängigen 
Journalisten nützten diese jedoch nichts. Seit über zehn Jahren 
finanziert Brüssel mit Milliarden Euro Projekte in der Türkei, um 
Wirtschaft, Rechtsstaat und Demokratie den europäischen Standards 
anzupassen - mit dem Ziel eines Beitritts der Türkei zur EU. Doch 
machen die Projekte unter Ausnahmezustand und autoritärer türkischer 
Regierung überhaupt Sinn? Nachfragen des Autors bei EUBehörden und 
türkischen Ministerien wurden auf die lange Bank geschoben oder 
unvollständig beantwortet. Bei der Begegnung mit Aktivisten und 
Hilfsorganisationen aus der Zivilgesellschaft und der 
Menschenrechtsarbeit erfährt der Autor von Hilfsorganisationen, die 
ihre Fürsorge für misshandelte Minderjährige einstellen müssen, weil 
sie per Dekret verboten wurden. Andere Aktivisten können ihre Arbeit 
für die Menschrechte in der Türkei mit EU-Mitteln zwar weiterführen, 
fordern von der EU aber eine stärkere politische Unterstützung. 
Beispiele, die zeigen, dass die EUHeranführungshilfen für die Türkei 
auf den Prüfstand gehören.
Autor: Bernd Niebrügge, ARD Istanbul

Spanien: Eine Stadt nimmt ab
Übergewicht, Fettleibigkeit, dicke Kinder - wenn es um diese Themen 
geht, denkt man meist an Länder wie die USA oder Mexiko. Aber auch 
Spanien hat mit einer zunehmend übergewichtigen Bevölkerung zu 
kämpfen. Die Rate der besonders übergewichtigen Menschen hat sich 
dort in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt - entsprechend sind auch
Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzprobleme oder Diabetes auf 
dem Vormarsch. Narón, ein ehemaliges Fischerstädtchen in Galizien im 
Nordwesten Spaniens, stemmt sich gegen den Trend: Knapp 4000 Menschen
nehmen dort an einem besonderen Gesundheitsprojekt teil. Den 
Initiatoren geht es nicht um spaßbefreites Hungern und Quälerei beim 
Frühsport, sondern um Gemeinschaftssinn und Genussfreude. Und dabei 
haben sie, ganz nebenbei, auch die Traditionen ihrer Heimat 
wiederentdeckt.
Autorin: Natalia Bachmayer, ARD Madrid

Kolumbien: Vor der Zerreißprobe
Präsidentschaftswahlen in Kolumbien. Das gleicht der Wahl zwischen 
Pest und Cholera: Entweder wird diesen Sonntag ein Mann der extremen 
Linken gewinnen oder - weit wahrscheinlicher - einer der extremen 
Rechten. Das Land steht vor einer Zerreißprobe: Der Friedensvertrag 
mit den Rebellen nach 50 Jahren Bürgerkrieg ist in Gefahr, 
Zehntausende von Flüchtlingen aus dem Nachbarland Venezuela setzen 
das Land zusätzlich unter Druck. In der Grenzstadt Cúcuta leben sie 
nebeneinander, Einwohner, Flüchtlinge und Rückkehrer, Menschen, die 
vor Jahren aus Kolumbien ins damals reiche Venezuela geflohen waren, 
jetzt zurückkommen und schon wieder bangen müssen. Etwa Leo, der 
Sportlehrer, der nach Venezuela floh, weil Rebellen seinen Bruder 
umbrachten, und der sich dort vom Hilfsarbeiter zum Eisdielenbesitzer
hochgearbeitet hatte. Als die Venezolaner kein Geld mehr für Eis 
hatten, ist Leo zurückgekommen, um jetzt als Bäcker zu arbeiten. 
"Solange man am Leben ist", meint er, "gibt es Hoffnung."
Autor: Stefan Maier, SWR 

Redaktion: Brigitte Abold

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