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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Einigung im Atomstreit mit Iran Historisches Vertragswerk Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Nach dem Verhandlungsmarathon ist vor den Mühen der Ebene. Ob sich der Iran wirklich uneingeschränkt an das historische Vertragswerk von Wien halten wird und lückenlos nachprüfbar Abstinenz übt gegen alle Verlockungen, vom Atomstaat zur Atommacht zu werden, kann heute niemand mit Bestimmtheit sagen.  Aber man muss es versuchen.  Die Alternativen - Bomben auf Nuklearanlagen, noch schärfere Sanktionen oder das Verlassen des Verhandlungstisches ohne Ergebnis - waren immer töricht und bleiben es. Auf beiden Seiten wird nun die Stunde der Hardliner schlagen. Sie werden die gewiss vorhandenen Schwachstellen herausstreichen und als Sensation verkaufen, was von Anfang an klar war: Teheran wird durch den Deal mitnichten für alle Zeiten am Griff nach der Atombombe gehindert. Es wird dem Land nur auf Jahre ziemlich schwer und teuer gemacht.  Die US-Republikaner, im Präsidentschaftsvorwahlkampf für 2016 noch irrationaler als gewöhnlich, werden wenig unversucht lassen, um Obama den wirkungsmächtigsten außenpolitischen Erfolg seiner Amtszeit zu zerschießen und als Risiko für den Weltfrieden darzustellen. Erst ein vom Kongress mit solider Mehrheit mitgetragener Atom-Deal wäre politisch unumkehrbar und auch für den nächsten Präsidenten fürs Erste bindend.  Bevor sich ab sofort die Fachleute über die von Laien kaum fassbare Zahl und Funktionsweise von Zentrifugen sowie die Taktfolge unabhängiger Atomkontrollen beugen werden, darf die politische Gewichtsklasse der nach 13 mühevollen Jahren erreichten Verständigung nicht kleingeredet werden.  Wien markiert nicht weniger als das Ende des kalten Krieges zwischen dem Westen und einem Land, das sich 36 Jahre nach einer zwiespältigen Revolution vor allem mit Stellvertreterkriegen, verdeckten Attentaten, Vernichtungsdrohungen gegen Israel und rituellem "Tod dem großen Satan"-Antiamerikanismus ausgezeichnet hat. Der Iran, Heimstatt großer kultureller Leistungen, kehrt nun aus der Paria-Ecke in den Kreis der voll verhandlungsfähigen Staaten zurück. Verhält sich das Land, in dem sich für 80 Millionen Menschen gestern eine neue Tür geöffnet hat, vertragskonform, werden auch die letzten Wirtschaftssanktionen fallen. Und dann? Teheran wird sich beizeiten entscheiden müssen, ob man im Mittleren Osten weiter nur für den Exportschlager Terrorismus und einschüchternde Nachbarschaftspolitik bekannt und gefürchtet sein will. Oder ob friedliche Koexistenz in einer von blutrünstigem Fanatismus gepeinigten Weltgegend nicht das bessere Zukunftskonzept ist. Die offizielle Anerkennung des Staates Israel und das Bekenntnis zum zivilen Interessenausgleich mit dem ewigen Rivalen Saudi-Arabien wären dazu unerlässlich. Für welchen Weg man sich in Teheran entscheidet, wird auch maßgeblich davon abhängen, wie fair, würdig und verlässlich der von Amerika geführte Westen mit dem Atom-Deal umgeht. Ohne Vertrauensvorschuss und Wohlwollen wird es nicht gehen.  Für Amerika, das noch vor wenigen Jahren unter dem irregeleiteten George W. Bush die islamische Republik für immer auf der "Achse des Bösen" verorten wollte, ist das Abkommen ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Erst Kuba, jetzt der Iran - die berechtigte Kritik an dem viel zu früh mit dem Friedensnobelpreis belasteten Präsidenten Barack Obama darf jetzt ruhig eine Tonlage leiser werden.  

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