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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Ruf nach Lohnerhöhungen Eine Frage der Gerechtigkeit ANDREA FRÜHAUF

Bielefeld (ots) - Lange Zeit herrschte selbst in der Bevölkerung eine weit verbreitete Sorge, dass Lohnerhöhungen der heimischen Wirtschaft nur schaden könnten und Arbeitsplätze damit aufs Spiel gesetzt würden. Doch spätestens, seitdem die EU-Staaten Griechenland mit einer Milliardenbürgschaft vor der Staatspleite retten mussten, wurden viele eines Besseren belehrt. Die Lohnzurückhaltung der Deutschen und die gleichzeitigen Lohnerhöhungen in Griechenland haben den globalen Wettbewerb verzerrt und die Griechen noch tiefer in die Krise geführt. Selbst die Regierung von Präsident Barack Obama sucht den Schuldigen für den trägen Aufschwung nicht bei sich selbst, sondern gibt inzwischen Europa, das jetzt einen Sparkurs verfolgt, die Mitschuld. Deutschland ist als ehemaliger Exportweltmeister aber noch immer auf die Abnahme seiner Waren im Ausland angewiesen. Bloß, was wenn das wichtige Exportland Amerika plötzlich auf stur stellt und vielen Importen plötzlich den Riegel vorschiebt? Selbst China, das lange Zeit an zweistellige Wachstumsraten gewöhnt war, spürt inzwischen eine wirtschaftliche Abkühlung, strebt nur noch ein jährliches Wachstum von maximal acht Prozent an, auch weil staatliche Konjunkturprogramme auslaufen. Damit wird die Binnenkonjunktur für Deutschland künftig wichtiger. Höhere Löhne stärken den Konsum. Ob Lohnerhöhungen angemessen sind, ist auch eine gesellschaftliche Frage. Für die Beschäftigten ist dies vor allem eine Frage der Gerechtigkeit. Dass die Wirtschaft wieder brummt und Konzerne wieder Milliardengewinne schreiben, ist schließlich ihr Mitverdienst. Selbst vereinbarte Tariferhöhungen wurden durch Kurzarbeit ausgesetzt. Da mag es zwar formal richtig sein, dass die Metallindustrie mitten in der Krise 4,5 Prozent mehr Lohn vereinbarte. Aber gespürt haben das die Beschäftigten bisher nicht.

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