"NANO" in 3sat über die Zunge und andere erstaunliche Muskeln
Mainz (ots)
Kauen, Schmecken, Schlucken oder Sprechen ‒ die Zunge ist überlebenswichtig. Sie ist nicht nur ein vielseitiges Sinnesorgan, sondern auch der beweglichste Muskel. Ihr hochkomplexes Mikrobiom besteht aus rund 700 verschiedenen Bakterienarten. Die Wissenschaft nutzt das Organ für immer mehr moderne Diagnoseverfahren. Darüber hinaus können ihr Aussehen und ihre Funktionalität Hinweise auf verschiedenste Erkrankungen geben, darunter auch Krebs. Mit dem Thema "Zunge: Das Super-Organ" beschäftigt sich die "NANO DOKU" am Donnerstag, 27. August 2026, um 20.15 Uhr. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt der NANO Talk: "Superorgan Muskulatur – Warum Muskeln uns gesund halten". Die "NANO Doku" ist ab Sonntag, 23. August 2026, 6.00 Uhr, in der 3satMediathek zu sehen.
Die Zunge als Schlüssel zur Gesundheit
Wie empfindlich das Gleichgewicht der Zunge ist, zeigt die Arbeit von Logopäden wie Carolin Adam aus Weinheim. Schon kleinste Störungen können weitreichende Folgen haben. Entscheidend ist die richtige Ruhelage der Zunge am Gaumen. Fehlfunktionen können Sprech- und Atemstörungen, Schluckbeschwerden oder Zahnfehlstellungen verursachen. Die Zunge ist auch als Bakterienreservoir im oralen Mikrobiom von großem diagnostischem Interesse. Farbe, Form und Oberflächenstruktur können Hinweise auf verschiedene Erkrankungen geben, wie die HNO-Ärztin Kathrin Engel vom SRH Klinikum Zeitz beobachtet. An der University of Leeds hat Lebensmittelforscherin Anwesha Sarkar eine Modellzunge aus Silikon nachgebildet, die zur Entwicklung neuer, insbesondere pflanzenbasierter Lebensmittel eingesetzt wird. Dem Team um den Neurologen Martin Sommer an der Universitätsmedizin Göttingen ist es nun gelungen, mithilfe eines Echtzeit-MRTs erstmals die Zungenbewegungen eines stotternden Patienten sichtbar zu machen und so neue Erkenntnisse über die Entstehung des Stotterns zu gewinnen.
Muskeltraining als Medizin?
Die Muskulatur leistet mehr als nur Bewegung: Sie unterstützt das Gehirn und stärkt das Immunsystem. Aktive Muskeln wirken wie ein inneres Labor: Sie hemmen Entzündungen, stärken Nerven und bremsen das Tumorwachstum. Wenn sie schwinden – etwa durch Alter, Krankheit oder Inaktivität –, verliert der Körper Energie und Stabilität. Muskeltraining kann die Lebenszeit verlängern. Studien zeigen, dass regelmäßiges Muskeltraining das Risiko für Krebs und Alzheimer deutlich senken kann. Gleichzeitig ist Muskelabbau einer der stärksten Treiber für Gebrechlichkeit, Pflegebedürftigkeit und frühen Tod. Wie viel Gesundheit verschenkt der Mensch, wenn er seine Muskeln vernachlässigt? Und was wäre möglich, wenn Muskeltraining endlich als echte Medizin verstanden würde? Darüber diskutiert Alena Buyx mit ihren Gästen: Simone Spuler, Professorin für Muskelforschung an der Charité Berlin, Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln, sowie Martin Halle, Ärztlicher Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie an der TU München sowie am Deutschen Herzzentrum.
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