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26.03.2020 – 14:30

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BLOGPOST Tokio 2020: Wie verschieben Sportler ihren Traum?

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Seit dieser Woche steht fest: Die Olympischen und Paralympischen Spiele werden aufgrund der anhaltenden Corona-Epidemie verschoben – auf einen noch nicht festgelegten Termin 2021. Was bedeutet das für die Sportler, die seit Monaten und sogar Jahren auf dieses Turnier hinarbeiten? Und wie fühlt man sich, wenn der Traum von Olympia verschoben wird? Ein ganz persönlicher Beitrag von Mareike Miller.

Tokio 2020 sollten meine dritten Paralympischen Spiele werden. Seit ich eine enttäuschende Niederlage im Finale in Rio 2016 hinnehmen musste, träume ich davon, erneut auf den größten Bühnen der Welt Rollstuhlbasketball zu spielen. Mit einer Atmosphäre von 16.000 Zuschauern, wie vor vier Jahren in Rio, wahrhaftig zu Höchstleistungen getrieben zu werden, ist einfach unbeschreiblich und einmalig.

Schon zweimal hatte ich das Glück, dieses Gefühl und auch die unbeschreiblichen Emotionen eines Medaillengewinns zu erleben. Umso mehr träumt man als Sportler in den vier Jahren zwischen den Paralympischen Spielen von diesen Momenten – Momente, in denen man wieder dort steht, sitzt oder auch Körbe wirft. Die gesamten vier Jahre – jeden Monat, jede Woche und jeden Tag denkt man an diesen Augenblick und motiviert sich dadurch, einmal mehr ins Training zu gehen, eine Wiederholung mehr das Gewicht zu stemmen oder eben einen Sprint zusätzlich zu absolvieren.

Die aktuelle Situation ist natürlich nicht nur für Sportler ungewöhnlich und schwierig zu greifen. Viele Menschen stehen vor sehr unsicheren Zeiten. Die drastischen und notwendigen Schritte, die unternommen werden, um das Coronavirus einzugrenzen, haben ganz reale und unmittelbare Konsequenzen auf ihr Leben. Es ist verständlich, dass dieser plötzliche Einschlag schwer zu akzeptieren ist. Auch für Athleten, die gewöhnlich täglich in ihre Sportstätten zum Training gehen, dies teilweise sogar als Vollzeitjob betreiben, ist es eigentlich unvorstellbar, dieses Leben auf einmal umzustellen oder aufzugeben. Das ist zu Beginn schwer zu akzeptieren und fordert jeden heraus!

In dieser Zeit wurden auch viele Athleten interviewt und gefragt: „Wollt Ihr, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio verschoben werden?“ Wer sagt denn da: „Ja, auf jeden Fall, ich möchte noch länger daraufhin arbeiten und meine jetzige Vorbereitung einfach noch ein Jahr verlängern“? Natürlich haben wir alle alles dafür gegeben. Das gesamte Leben darauf ausgerichtet, so z.B. Privatleben, Berufliches oder Studium zeitlich verlegt, nur damit wir uns komplett auf Tokio konzentrieren können. Und es fällt nicht leicht, jetzt zu sagen, dass wir dies einfach alles umwerfen und ein weiteres Jahr Vorbereitung organisieren, sodass wir in Tokio auch 2021 antreten können. Bei manchen Athleten mag sogar die Frage im Raum stehen, ob man dazu nun die gesamte Sportkarriere um ein Jahr verlängert.

Und doch, warum sollten ausgerechnet Sportler anders mit dieser Krise umgehen, als von der gesamten Menschheit gefordert wird? Wieso sind wir nicht Teil dieser Gesellschaft und bekommen Ausnahmeanträge angeboten? Warum sollte unser Training und unser Traum von Olympia mehr wert sein und wir diese Krise anders überstehen als der Ladenbesitzer nebenan, der sich gerade selbstständig gemacht hat und nun zittert, ob staatliche Hilfen ihm den Traum zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen? Sind wir Athleten nicht Vorbilder unserer Gesellschaft und somit dafür verantwortlich, die Hoffnung, den Optimismus und das Streben nach diesem Traum nach der Krise zu beflügeln? Sollten wir nicht gerade jetzt der Welt zeigen: Ja, wir geben auch etwas auf, weil es auf uns alle ankommt. Wir sind jedoch stark genug und können das alles überwinden. Wir glauben an die Zukunft und wir finden Wege, um die neuen Regeln zu befolgen und alle Herausforderungen erfolgreich zu überwinden. Wir schaffen es, uns fit zu halten, ohne Ausnahmen zu bekommen. Denn bald, wenn es für uns alle sicher ist, werden wir die Welt und unser Leben wieder zurückerobern können.

Dass die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht im Sommer 2020 stattfinden, hat sich niemand gewünscht. Aber es ist jetzt nicht die richtige Zeit, sich am Zeitrahmen festzuhalten. Es ist die Zeit, gemeinsam durch eine schwierige Zeit zu kommen, Flexibilität zu zeigen und Ruhe zu bewahren. Es ist die richtige Zeit, um die Digitalisierung und neue Technologien zu genießen. Ich freue mich über einen Videoanruf mehr mit meiner kleinen Nichte oder ein Gespräch mehr mit Oma während es eine Trainingsfahrt weniger gibt. Das wird uns allen – trotz Krise – eine gute, hoffentlich gesunde Zeit bescheren und für die positive Energie sorgen, die wir zur Klärung der persönlichen Situation benötigen und mit der wir dann die erneute Vorbereitung auf die Spiele so richtig angehen können. Und ich glaube fest daran: Trotz oder gerade wegen der schwierigen Erfahrungen jetzt werden wir die absolut besten Spiele aller Zeiten erleben. Die Spiele werden von unglaublicher Freude, Hoffnung und Dankbarkeit getragen und die Hochleistungen der Athleten umso mehr gefeiert und bewundert werden.

Dieser Beitrag ist ein Original-Post aus dem news aktuell Blog:

https://treibstoff.newsaktuell.de/tokio-2020-wird-verschoben-wie-sportler-ihren-traum-verschieben/

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