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Fiasko am Hindukusch
Die Rückkehr der radikalen Taliban an die Macht in Afghanistan besiegelt eine bittere Niederlage des Westens und ist zugleich eine schwere Hypothek für die Zukunft.

Regensburg (ots)

Die Ereignisse am Hindukusch überstürzen sich. Wenn diese Zeilen erscheinen, haben die radikalen Taliban vermutlich bereits Teile der afghanischen Hauptstadt Kabul "friedlich" übernommen. Nach dem überstürzten Rückzug der alliierten Truppen vor wenigen Wochen war es nur eine Frage der Zeit, bis die bewaffneten Fundamentalisten das gesamte Land wieder unter ihre Kontrolle bringen würden. Die zwei Jahrzehnte vom Westen gehätschelte Staatsmacht und die afghanische Armee zerfielen in einem atemberaubenden Tempo. Nennenswerte Gegenwehr hatten die Taliban nicht mehr zu überwinden. Auch große Städte fielen wie Kartenhäuser unter ihrem Vormarsch.

Dass es dann doch so rasend schnell gehen würde, hatte man allerdings im Westen nicht erwartet. Das letzte Kapitel des schmählichen Fiaskos der Alliierten offenbart noch einmal alle Fehler, Versäumnisse und Fehleinschätzungen des zwei Jahrzehnte währenden Militäreinsatzes. Die USA und ihre Verbündeten sind in Afghanistan nicht nur militärisch, sondern auch politisch und moralisch gescheitert. Die Rückkehr der Taliban an die Macht besiegelt eine bittere Niederlage des Westens - und ist zugleich eine schwere Hypothek für die Zukunft. Wo wird der Westen danach denn noch ernst genommen?

Dabei war es bereits ein aussichtsloses Unterfangen, die Taliban, die in den Wirren der 90er Jahre an die Macht gekommen waren, militärisch besiegen zu wollen. Politische Umstürze, und seien die Regime noch so widerwärtig, lassen sich nur schwer mit Interventionen von außen bewerkstelligen. Ähnlich schlechte Erfahrungen hatten im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zuerst die Briten und später in den 1980er Jahren die Sowjetunion machen müssen. Sie zogen sich als Geschlagene aus dem Land zurück.

Politisch ist der Westen vor allem deshalb gescheitert, weil es kein Konzept für ein Afghanistan ohne die Taliban gab. Die radikalen Fundamentalisten aus den großen Städten zu vertreiben, war nach dem Einmarsch vor zwanzig Jahren noch relativ einfach. Doch der Aufbau eines halbwegs demokratischen, zivilen Staatswesens ging über Ansätze kaum hinaus. Die vom Westen mit vielen Milliarden unterstützte Regierung in Kabul wurde durch Korruption und innere Zwistigkeiten gelähmt. Präsidentenwahlen etwa wurden von monatelangen Streitereien um die Macht und damit um die "Fleischtöpfe" der westlichen Hilfsgelder begleitet. Noch viel mehr, nämlich zig Milliarden, gaben die USA, Deutschland und die anderen beteiligten Länder für ihre Militäraktionen aus. Wie viele Schulen, Universitäten und Krankenhäuser hätten zivile Hilfsorganisationen, wie etwa die Kinderhilfe Afghanistan des rührigen Ex-Bundeswehrarztes Reinhard Erös, damit errichten können?

Die Hightech-Militärmaschinerie der Alliierten zog sich letztlich vor allem vor den nicht sehr hochgerüsteten Taliban zurück, weil ein Truppenabzug in den USA innenpolitisch gewollt war. Ex-Präsident Donald Trump hatte ihn angeordnet. Sein Nachfolger Joe Biden folgte blind dessen Vorgaben, auch um nicht von den Republikanern vorgeführt zu werden.

Zu einem moralischen Fiasko wächst sich Afghanistan nun auch für Deutschland aus. Nach dem Abzug der Bundeswehr Ende Juni sind längst noch nicht alle ehemaligen afghanischen Helfer, die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und der Botschaft außer Landes und damit in Sicherheit vor der Rache der Taliban gebracht worden. Statt entschlossen sofort zu handeln, schoben sich Außen- und Verteidigungsressort gegenseitig den schwarzen Peter zu. Deutsche Flugzeuge sollen nun erst nach dem Wochenende an diesem Montag nach Kabul starten. Man kann nur hoffen, dass diese - mit Verlaub - bürokratische Lahmarschigkeit von Berliner Ministerien nicht weitere Opfer fordert.

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