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Fachleute sehen Risiken bei Pestizid-Zulassung: Wissenschaftlicher Beirat warnt vor EU-Plänen

Fachleute sehen Risiken bei Pestizid-Zulassung

Wissenschaftlicher Beirat warnt vor EU-Plänen

Der Wissenschaftliche Beirat zum Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz warnt: Die von der EU-Kommission geplanten Vereinfachungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln könnten nach Einschätzung der Expert:innen erhebliche Risiken für Mensch und Umwelt mit sich bringen. Eine entsprechende Stellungnahme hat das Gremium – darunter Prof. Dr. Ralf Schäfer von der Universität Duisburg-Essen – an das Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben.

Im Mittelpunkt der Kritik steht das sogenannte „Food and Feed Safety Omnibus“-Paket der EU-Kommission. Es sieht zwei grundlegende Änderungen vor: Zum einen sollen Wirkstoffe künftig unbefristet genehmigt werden, statt – wie bisher – alle zehn bis fünfzehn Jahre überprüft zu werden. Zum anderen sollen nationale Produktzulassungen nicht mehr regelmäßig an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst werden. Maßgeblich wäre künftig allein das Wissen zum Zeitpunkt der EU-weiten Wirkstoffgenehmigung.

Aus Sicht des Beirats würden damit zentrale Sicherheitsmechanismen geschwächt. Regelmäßige Neubewertungen seien ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Vorsorgeprinzips. Eine Analyse zeigt, dass seit 2009 mindestens 165 chemisch-synthetische Wirkstoffe vom europäischen Markt genommen wurden – häufig aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über Risiken für Umwelt oder Gesundheit. Ohne verpflichtende Überprüfung könnten solche Entwicklungen künftig deutlich später oder gar nicht mehr berücksichtigt werden.

Besonders kritisch bewertet das Gremium die geplante Entkopplung nationaler Produktzulassungen vom aktuellen Forschungsstand. Erkenntnisse über mögliche Gefahren entstünden oft erst Jahre nach der Erstzulassung eines Wirkstoffs. Würden sie systematisch ausgeblendet, drohe eine strukturelle Lücke zwischen Regulierung und Forschung.

Auch die Rechtsprechung unterstreicht die Bedeutung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Urteile des Europäischen Gerichtshofs zu den Wirkstoffen Difenoconazol (2024) und Cypermethrin (2025) haben deutlich gemacht, dass Behörden aktuelle Forschungsergebnisse in ihre Risikobewertungen einbeziehen müssen.

„Wer Zulassungen entfristet und neue wissenschaftliche Erkenntnisse ausblendet, schwächt das europäische Vorsorgeprinzip massiv“, warnt Ökotoxikologe Prof. Dr. Ralf Schäfer von der Universität Duisburg-Essen. „Gerade die letzten Jahre zeigen, dass Risiken vieler Wirkstoffe erst im Laufe der Zeit sichtbar werden.“

Der Beirat spricht sich stattdessen für eine echte Entbürokratisierung aus – etwa durch transparentere Bewertungsverfahren und besser vergleichbare Risikoabschätzungen. Vereinfachungen ja, aber nicht um den Preis eines geringeren Schutzniveaus.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ralf B. Schäfer, Professor for Ecotoxicology Research Center One Health Ruhr, University Alliance Ruhr & Fakultät für Biologie, Universität Duisburg-Essen, Tel. 0201/18 3-3962, ralf.schaefer@uni-due.de

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