PM Signal für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung: Auftakt des Naturschutzgroßprojekts „Thüringer Kuppenrhön“
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Signal für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung: Auftakt des Naturschutzgroßprojekts „Thüringer Kuppenrhön“
Im Beisein der Parlamentarischen Staatssekretärin Bettina Hagedorn ist das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ heute offiziell in seine Umsetzungsphase gestartet. In den kommenden neun Jahren werden umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um die „Thüringer Kuppenrhön“ als eine der artenreichsten Landschaften Mitteldeutschlands dauerhaft zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Zur feierlichen Auftaktveranstaltung an der Gedenkstätte Point Alpha kamen rund 75 Vertreterinnen und Vertreter des Bundes, des Landes, aus Fachbehörden, Region und Naturschutz zusammen. Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Karin Arndt, Umweltstaatssekretärin in Thüringen, sowie Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, hoben in ihren Grußworten die große Relevanz des Projekts für die Region hervor.
Parlamentarische Staatssekretärin Bettina Hagedorn: „Dieses Projekt sichert nicht nur wertvolle Lebensräume für viele seltene Tiere und Pflanzen, sondern es leistet damit auch einen wichtigen Beitrag, die typische Landschaft der Kuppenrhön zu erhalten. Die Maßnahmen an Quellen, Bächen und Mooren sowie die Entwicklung von naturnahen Wäldern stabilisieren zudem den Landschaftswasserhaushalt und sind eine wichtige Anpassung an den Klimawandel, was angesichts dieser heißen Sommertage nochmal deutlicher wird. So trägt dieses Projekt auch dazu bei, die Lebensrundlage für die regionale Bevölkerung und damit die Basis für die Erholung und einen naturverträglichen Tourismus in der Thüringer Kuppenrhön zu erhalten und zu verbessern.“
BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm: „Die Thüringer Kuppenrhön ist Teil des Grünen Bandes am ehemaligen Grenzstreifen. Die Wiesen und Weiden der Kuppenrhön sind wichtige Refugien für seltene Arten. Mit dem Naturschutzprojekt Thüringer Kuppenrhön wollen wir in enger Abstimmung mit den Bewirtschaftenden zukunftsfähige Nutzungskonzepte erarbeiten und dauerhaft etablieren. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt schützenswerter Lebensräume und stärken zugleich den einzigartigen Biotopverbund des Grünen Bandes nachhaltig.“
Umweltminister Tilo Kummer (vor Ort vertreten durch Umweltstaatssekretärin Karin Arndt): "Die Kuppenrhön ist eine besonders wertvolle Kulturlandschaft, nicht nur für Thüringen. Der Wechsel von Wald und Offenland ist die Grundlage für die regional verankerte vielfältige Forst- und Landwirtschaft und schafft außergewöhnliche Lebensräume. Hier schützen wir zahlreiche bedrohte Arten wie die Sumpfspitzmaus, die Kreuzkröte, das Braunkehlchen und die Wiesenpieper. Diese einzigartige Natur zu erhalten, ist unsere gemeinsame Verantwortung. Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt dank der kombinierten Bundes- und Landesförderung nun starten kann und damit auch die weitere naturverträgliche Bewirtschaftung der Kuppenrhön unterstützt wird."
Struktur- und Artenvielfalt der Region bewahren und fördern
Zentrale Ziele des Projekts sind die Wiederherstellung und Vernetzung wertvoller Lebensräume, der Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie die Förderung einer zukunftsfähigen und naturnahen Bewirtschaftung.
Beim anschließenden Spaziergang auf dem „Weg der Hoffnung“ entlang des Grünen Bandes ordnete auch Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, die Bedeutung des Projekts ein: „Vom Todesstreifen zum Grünen Band – diesem einmaligen Wandel der Natur und der Entwicklung zu einem Ort der Begegnung und Erinnerungskultur widmet sich die Heinz Sielmann Stiftung seit ihrer Gründung. Das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ leistet hierzu einen bedeutenden Beitrag und steht beispielhaft für den Ansatz, Naturschutz gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten.“
Erik Thürmer, Vorstandsvorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Thüringer Rhön e.V. fügte hinzu: „Nach den erfolgreichen „Thüringer Rhönhutungen“ ist dies bereits das zweite Naturschutzgroßprojekt im Thüringer Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Das unterstreicht den besonderen ökologischen Wert dieser Region, die neben der Heimat für die Menschen auch Lebensräume für viele andernorts bereits selten gewordene Arten bietet.“
Projekt setzt auf enge regionale Zusammenarbeit
Projektleiterin Corinna Hoßfeld betonte: „Für die Zukunft der Thüringer Kuppenrhön wird es darauf ankommen, Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung gemeinsam weiterzuentwickeln. Daher möchten wir mit allen beteiligten Akteuren – von landwirtschaftlichen Betrieben und Flächeneigentümern über Forstbetriebe und die Jägerschaft bis hin zu Kommunen und Naturschutzverbänden – wichtige Impulse setzen und einen Beitrag zur langfristigen Entwicklung der Region leisten.“
Welche konkreten Maßnahmen im Rahmen des Projekts umgesetzt werden, stellte Hoßfeld anschließend genauer vor. Geplant sind unter anderem die Entbuschung brachgefallener Magerrasen und Wacholderheiden, die Förderung artenreicher Wiesen und Weiden durch angepasste Nutzung sowie die Anlage von Feuchtmulden und Kleingewässern zur Stärkung von Wiesenbrütern und Amphibien. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Vernetzung einzelner Lebensräume.
Ausgangslage
Das Naturschutzgroßprojekt wurde im Juni 2020 initiiert, um Flächen unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten im Sinne einer nachhaltigen Landnutzung zu entwickeln und langfristig zu sichern. Das rund 3.240 Hektar große Fördergebiet liegt im Südwesten Thüringens im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen, inmitten des UNESCO Biosphärenreservates Rhön.
Die Maßnahmen basieren auf einem Pflege- und Entwicklungsplan, der in der ersten Projektphase unter breiter Beteiligung regionaler Akteure erarbeitet wurde. Nach Bewilligung der Umsetzungsphase Ende 2025 konnte Anfang 2026 ein erweitertes Team die Arbeit beginnen.
Im Fokus stehen die Wiederherstellung und Vernetzung bedeutender Lebensräume, der Schutz bedrohter Arten sowie die Förderung einer nachhaltigen und naturverträglichen Landnutzung. Die Maßnahmenumsetzung erfolgt auf freiwilliger Basis in enger Kooperation mit regionalen Akteuren und Interessensgruppen, insbesondere mit Bewirtschaftenden, Flächeneigentümerinnen und -eigentümern sowie weiteren Partnerinnen und Partnern vor Ort.
Finanzierung und Partner
Das Umsetzungsprojekt ist auf eine Laufzeit von zehn Jahren und ein Gesamtvolumen von rund 10,2 Millionen Euro angelegt. Es ist Teil des Förderprogramms „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“, mit dem der Bund Projekte von nationaler Bedeutung unterstützt. Die Finanzierung erfolgt zu 75 Prozent durch den Bund, zu 15 Prozent durch den Freistaat Thüringen und zu 10 Prozent durch den Projektträger. Träger-Gesellschafter der Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ gGmbH sind die Heinz Sielmann Stiftung und der Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e.V. Die Träger-Gesellschafter leisten den Eigenanteil. Der Eigenanteil des Landschaftspflegeverbandes wird dabei zum Teil durch Mittel der Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis sowie der Stiftung Naturschutz Thüringen kofinanziert.
Wichtige Umsetzungspartner vor Ort sind neben den Landnutzern u. a. die Thüringer Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön, die Stiftung Naturschutz Thüringen, Thüringen-Forst AöR sowie die Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis.
Mehr Informationen zum Projekt sind hier abrufbar: www.ngp-kuppenrhoen.de
Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
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Caroline Ring Freie Redakteurin
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