Alle Storys
Folgen
Keine Story von Neue Osnabrücker Zeitung mehr verpassen.

Neue Osnabrücker Zeitung

Historiker Aly: Abwicklung der DDR verlief "im Kern räuberisch" und "zu schnell"/Buchautor kritisiert Austausch von Eliten in Behörden und Wirtschaft

Osnabrück (ots)

Der Historiker Götz Aly (78) macht die Politik der Wendejahre für die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Situation in Ostdeutschland verantwortlich. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz) sagte er: "Die heutige Situation in der ehemaligen DDR haben wir Westler uns in den Jahren 1990 und folgende selbst eingebrockt: Die Abwicklung der DDR verlief zu schnell, zu wenig kooperativ und im Kern räuberisch." Das betreffe insbesondere das Eigentum an Wohnraum sowie an öffentlichen Liegenschaften, aber auch ausbleibende Anerkennungen von ostdeutschen Berufsabschlüssen sowie den Austausch von Eliten in Betrieben, Gerichten, Ministerien und Hochschulen.

Als Redakteur der "Berliner Zeitung" in den 1990er Jahren habe er unter ostdeutschen Journalisten ebenso viele "hochqualifizierte und angenehme Kollegen" erlebt wie unter Westdeutschen - "und jeweils genauso viele windige, schlecht schreibende oder parteiisch fixierte Wichtigtuer", sagte Aly gegenüber noz.

+++ ppe/ew +++

Die autorisierten Zitate:

Die AfD steht vor Wahlsiegen in Ostdeutschland, besorgt Sie das?

Zunächst muss man sagen: Die heutige Situation in der ehemaligen DDR haben wir Westler uns in den Jahren 1990 und folgende selbst eingebrockt: Die Abwicklung der DDR verlief zu schnell, zu wenig kooperativ und im Kern räuberisch. Das betrifft besonders das Eigentum an Wohnungen und anderen Liegenschaften in der ehemaligen DDR, die Missachtung von Berufsabschlüssen, die westdeutsche Übernahme der allermeisten Leitungspositionen in den Betrieben, Gerichten und Ministerien, die fast komplette Übernahme der Universitäten zugunsten des Westpersonals.

Ich hatte das Glück, in den 1990er-Jahren als Redakteur bei der Berliner Zeitung zu arbeiten. Die Redaktion setzte sich damals zur Hälfte aus Ostlern und zur anderen Hälfte aus Westlern zusammen. Sehr schnell gelangte ich dort zu der Erkenntnis, dass es unter den Ex-DDRlern genauso viele hochqualifizierte und angenehme Kollegen gab wie unter den Ex-Alt-BRDlern - und jeweils genauso viele windige, schlecht schreibende oder parteiisch fixierte Wichtigtuer.

Pressekontakt:

Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Neue Osnabrücker Zeitung
Weitere Storys: Neue Osnabrücker Zeitung