Neue Osnabrücker Zeitung

Neue OZ: Interview mit dem Schauspieler Richy Müller

Osnabrück (ots) - Richy Müller legt Hand an: Als Bäckerei-Spülkraft und beim Entkalken von Wasserhähnen

"Tatort"-Kommissar sieht darin einen "wunderbaren Ausgleich zu Schauspielerei" - Am Chiemsee will er begraben werden - Rennsportfan findet: Formel 1 ist das Langweiligste, was es gibt

Osnabrück.- Schauspieler Richy Müller (58) verdingt sich regelmäßig als Aushilfskraft im Familienbetrieb seiner Freundin am Chiemsee: "Ich bin gerne mal hier in der Bäckerei und mache das Geschirr", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). "Gerade sonntags, wenn das Café voll ist und die Leute an der Theke Schlange stehen. Dann stehe ich da mit meiner braunen Schürze, sortiere den Abfall und die Essensreste weg, bestücke die Spülmaschine und trockne ab."

Auch zuhause legt Müller gerne Hand an: "Wenn es ein Problem im Haus gibt - ich kann es lösen. Manchmal dauert es ewig, aber ich kriege es hin. Als gelernter Werkzeugmacher habe ich das notwendige Geschick, aber auch einen handwerklichen Ehrgeiz. Ich mache Abflüsse sauber oder entkalke Wasserhähne - das sind einfache Sachen, die ich gerne mache. Solche profanen Dinge zu machen ist für mich ein wunderbarer Ausgleich zur Schauspielerei, die ja irgendwie nicht fassbar ist."

Den Chiemsee, wo er seit zehn Jahren lebt, bezeichnete der 58-Jährige als "reinste Medizin für die Seele". Hier wolle er den Rest seines Lebens verbringen: "Dass ich hier alt werde, ist längst entschieden. Ich weiß sogar schon, wo ich mich begraben lasse: Hier gibt es ein ganz schönes, ruhiges Plätzchen, da möchte ich mal hin."

So weit ist es allerdings noch nicht, auch wenn Müller im kommenden Jahr seinen 60. Geburtstag feiert: "Ich gucke zwar immer noch aus meinem Kopf heraus, als wäre ich 27, aber spätestens beim Blick in den Spiegel merke auch ich, dass die Zeit nagt. Dabei habe ich mein Leben lang nie so alt ausgesehen, wie ich tatsächlich war. Mit 18 habe ich sogar noch Luftballons geschenkt bekommen."

Seine Freundin habe er in der seit über 200 Jahren existierenden Familienbäckerei kennengelernt, berichtete Müller weiter: "Ich hatte damals ein Auto, für das Christl sich interessierte, darüber kamen wir ins Gespräch, später haben wir uns dann mal zufällig im Baumarkt oder beim Skifahren getroffen. Irgendwann haben wir die erste Radtour miteinander gemacht, und schließlich waren wir sechs Jahre lang dick miteinander befreundet - erst dann hat's vor dreieinhalb Jahren geschnackelt, wie der Bayer sagt. Wir hatten quasi ohne Absichten eine Basis geschaffen, die jetzt natürlich Gold wert ist."

Rennsportfan und aktiver Rennfahrer ist Müller immer noch - der Königsklasse allerdings kann er nicht viel abgewinnen: "Formel 1 muss nicht unbedingt sein, das ist das Langweiligste, was es im Rennsport im Moment gibt, eigentlich eine Farce. Früher, als noch Leute wie Ayrton Senna oder Alain Prost gefahren sind, ging es darum, in der Formel 1 mit einem völlig abstrusen Fahrzeug aufzutauchen und sich auszuprobieren. Heute ist alles furchtbar reglementiert."

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