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Neue OZ: Kommentar zu Literatur

Osnabrück (ots) - Suche nach dem unmittelbaren Zeugnis des Leids

Allein gegen den Terror: Was nach einem Hollywood-Klischee klingt, war oft genug harte Realität. Der sensationelle Fund von Briefen, die Fallada während des Dritten Reiches an einen Autor in England schrieb, zeigt in erneuerter Unmittelbarkeit, was es bedeutete, in Zeiten der Diktatur das offene Wort zu wagen.

Diese Texte entfalten nicht nur deshalb vehemente Schubkraft, weil Falladas Widerstandsroman "Jeder stirbt für sich allein" gerade erstmals in authentischer Gestalt erschienen ist. Neue Zeugnisse vom Widerstand gegen die Unterdrückung finden jetzt ihr Publikum, weil sich die Erinnerung an das Dritte Reich folgenreich wandelt. Die Generation der Täter und Opfer stirbt aus. Das Gedächtnis an das Leid von Millionen wird deshalb künftig anders vermittelt werden müssen.

Die Texte Falladas eröffnen noch einmal den unmittelbaren Blick auf das Schicksal der Verfolgten, übrigens ebenso wie die Bilder des Holocaust-Opfers Felix Nussbaum, dessen Werke in Paris gerade erst mit großem Erfolg ausgestellt wurden. Das Bedürfnis nach Erinnerung lässt nicht nach, es wird in dem Maß stärker, wie Gedächtnis porös zu werden droht.

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