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Neue OZ: Kommentar zu USA
Organspende für Begnadigung

Osnabrück (ots) - Perfider Handel

Welch perfider Deal: eine Organspende als Bedingung für die Begnadigung. Dieser Handel setzt alle moralischen und ethischen Grundregeln außer Kraft - nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten offenbar nicht. Mehr noch: Haley Barbour, Gouverneur des US-Bundesstaates Mississippi, missachtet mit seiner Nierenspenden-Auflage für die 38-jährige Gladys Scott auch das in der Verfassung verankerte Recht auf körperliche Unversehrtheit. Und sich selbst bringt er in den Verdacht des verbotenen Organhandels. Hierzulande haben schon viel weniger gewichtige Fehltritte ausgereicht, um Politiker zum Rücktritt zu bewegen.

Zumal die Begnadigungen der beiden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilten Schwestern auch einen anrüchigen finanziellen Hintergrund haben. Gut 140 000 Euro pro Jahr musste der Staat Mississippi für die Dialyse-Behandlung der todkranken Jamie Scott ausgeben. Dieses Geld kann Barbour nun sparen - allerdings nur mit der Hypothek eines schlechten Gewissens.

Denn ohne die medizinische Betreuung im Gefängnis und ohne neue Niere würde Jamie Scott wahrscheinlich schon bald sterben. Und das nach einer Haftstrafe, die viele US-Bürger eh schon als zu lang ansehen. Mit der angeordneten Organtransplantation scheint der Gouverneur um Wiedergutmachung bestrebt. Allerdings mit Mitteln, die aller Rechtsstaatlichkeit entbehren.

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