IGBCE Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie
Tarifkompromiss in der Chemie: Mehr Geld und Beiträge zur Jobsicherung
Tarifkompromiss in der Chemie:
Mehr Entgelt und Beiträge
zur Beschäftigungssicherung
Nach zweitägigen Verhandlungen haben sich die Chemie-Gewerkschaft IGBCE und der Arbeitgeberverband BAVC in Bad Breisig auf einen bundesweit gültigen Tarifkompromiss verständigt. Er sieht für die 585.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie Entgelterhöhungen in zwei Schritten sowie Beiträge zur Beschäftigungssicherung vor. Damit wird der tarifliche Demografiefonds aufgestockt – ein bundesweites Novum in einem großen Flächentarifvertrag.
Im Kern fließen in diesem Jahr 300 Euro pro Person in die Beschäftigungssicherung, 2027 folgen eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent sowie weitere 300 Euro pro Kopf zur Beschäftigungssicherung, 2028 eine weitere Entgelterhöhung um 2,4 Prozent.
Die Tarifkommission der IGBCE hat dem Verhandlungsergebnis zugestimmt. Zuvor hatte es in neun regionalen und zwei bundesweit zentralen Verhandlungsrunden kein Ergebnis gegeben. Der letztgültige Tarifvertrag war Ende Februar ausgelaufen, der neue hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis Mai 2028.
„Für diesen Krisen-Abschluss sind wir bis an die Schmerzgrenze gegangen", sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre habe sowohl der Branche als auch ihren Beschäftigten zugesetzt. Durch den Iran-Krieg habe sich die Lage für beide Seiten nochmals zugespitzt. „In solch einer vertrackten Ausgangslage eine Einigung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird, war eine große Herausforderung.“
Vassiliadis machte gleichzeitig deutlich: „Klar ist eins: Mit diesem Tarifergebnis gehen die Beschäftigten in Vorleistung – für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze und für mehr Investitionen in Deutschland. Jetzt müssen auch andere liefern: die Bundesregierung mit der Chemieagenda 2045, die Arbeitgeber mit einer Investitionsoffensive in die nachhaltige Stärkung des Standorts. Wir werden die Entscheider daran messen."
„Jobangst und Kaufkraftverlust prägen derzeit das Arbeitsleben vieler Beschäftigter in Chemie und Pharma – dem wollten wir in dieser Tarifrunde gerecht werden“, ergänzte IGBCE-Verhandlungsführer und -Tarifvorstand Oliver Heinrich. „Am Ende haben wir in beiden Forderungspunkten Bewegung erreicht. Das wäre ohne die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die für unsere Forderungen vors Tor gegangen sind, nicht möglich gewesen.“
Heinrich wies daraufhin, dass Betriebe, denen es wirtschaftlich gut geht, die Tariferhöhungen um jeweils drei Monate vorziehen können. „In der Branche gibt es genug Betriebe, die glänzend verdienen. Wir werden in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass sie ihrer Verantwortung der Belegschaft gegenüber gerecht werden."
Mit dem vereinbarten Beschäftigungssicherungsbeitrag gehe man neue Wege auf dem Feld der Jobsicherung. Über die Laufzeit stellt die Branche insgesamt mehr als 350 Millionen Euro für Investitionen in den Erhalt und die Weiterentwicklung von gefährdeten Arbeitsplätzen zur Verfügung. „Kein tarifgebundener Betrieb kann sich künftig mehr herausreden, es gebe keine Alternative zum Stellenabbau", so der IGBCE-Tarifvorstand.
Die Einigung im Detail:
- Die Entgelte und Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen: um 2,1 Prozent zum Januar 2027 und um weitere 2,4 Prozent zum Januar 2028. Betriebe mit wirtschaftlich guter Entwicklung können beide Erhöhungen um je drei Monate vorziehen.
- Für die Jahre 2026 und 2027 zahlen die Unternehmen einen so genannten Beschäftigungssicherungsbeitrag von je 300 Euro pro Beschäftigtem (150 Euro für Auszubildende) per anno. Das Geld fließt in den seit 2010 bestehenden Demografiefonds der Branche, dessen Nutzungszwecke um den Faktor Beschäftigungssicherung erweitert werden. Aus dem betrieblichen Topf können so beispielsweise Projekte zur Standortsicherung, Umqualifizierung oder Arbeitszeitreduzierung finanziert werden.
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