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IGBCE Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

IGBCE warnt vor unkontrolliertem Abbau in der Grundstoffchemie

IGBCE warnt vor unkontrolliertem Abbau in

der Grundstoffchemie und fordert politisch moderierten

Prozess für konzertierte Konsolidierung der Branche

Die IGBCE hat vor einem unkontrollierten Kapazitätsabbau in der chemischen Grundstoffproduktion gewarnt. „Es droht der Verlust kompletter Industriecluster mit Monopolisierungstendenz, mindestens aber eine chaotische Deindustrialisierung“, sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis auf der Jahrespressekonferenz der Chemie- und Energiegewerkschaft. Vassiliadis forderte einen politisch moderierten Prozess für eine konzertierte Konsolidierung der Grundstoffchemie in Europa. „Wir appellieren an den Bundeskanzler, sich dafür in Europa stark zu machen und ihn gleichzeitig im eigenen Land anzuschieben.“ Vorbilder für ein solch abgestimmtes Vorgehen gebe es bereits in Japan und Südkorea, wo geordneter Rückzug auf der einen und smarter Ausbau auf der anderen Seite Hand in Hand gingen.

Die Produktion von Grundstoffen in energieintensiven Großanlagen bildet das Herz nahezu jedes chemischen Verbundstandorts. Werden sie abgeschaltet, fehlen den meist direkt angebundenen Anlagen und Betrieben in der weiteren Wertschöpfungskette Vorprodukte, auf die sie zwingend angewiesen sind. So kann eine Cracker-Schließung unzählige Unternehmen und Tausende Arbeitsplätze in der direkten Nachbarschaft gefährden. Dies ist aktuell beispielsweise im ostdeutschen Chemiedreieck der Fall, wo der US-Konzern Dow seinen Cracker Ende 2027 vom Netz nehmen will.

Derzeit erwägen viele Grundstoffhersteller entsprechende Schritte in ganz Europa, weil sich durch die veränderte weltwirtschaftliche Lage in diesem Segment Überkapazitäten gebildet haben. Schätzungen gehen von gut 20 Prozent aus. Der Rückbau folgt rein betriebswirtschaftlichen Interessen, die Verantwortung für den ganzen Chemiepark spielt keine Rolle. Dies gefährdet nicht nur massiv Arbeitsplätze, sondern auch ganze Wertschöpfungsketten und letztlich die Resilienz und Unabhängigkeit des Chemie-Standorts insgesamt. Gleichzeitig droht sich das Geschäft auf sehr wenige Anbieter zu konzentrieren.

Die IGBCE macht sich deshalb für eine konzertierte Konsolidierung der Branche stark, bei dem in einem moderierten Prozess notwendige Kapazitäten und strategisch wichtige Standorte identifiziert und gesichert werden. „Wir können nicht alle Jobs retten, aber wir müssen einen unkontrollierten Flächenbrand vermeiden. Und wir wollen für jeden Einzelnen eine Perspektive schaffen“, sagte der IGBCE-Vorsitzende.

Zudem brauche es jetzt schnell Fortschritte bei den Energie- und Emissionskosten – den entscheidenden Standortnachteilen Deutschlands und Europas für die energieintensiven Branchen. Der geplante Industriestrompreis müsse eine spürbare Entlastung für die Betriebe bringen, der Handel mit Emissionszertifikaten so überarbeitet werden, dass für die betroffenen Industrien noch länger kostenlose Berechtigungen zur Verfügung gestellt würden, forderte Vassiliadis. Unternehmen, die davon profitieren, müsse auferlegt werden, in die klimagerechte Modernisierung ihrer Standorte und die Sicherung der Arbeitsplätze zu investieren. Diese Vorschläge bringt die IGBCE auch in die aktuelle Entwicklung der Chemieagenda 2045 ein, die die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag auf den Weg gebracht hatte.

Die aktuelle schwierige wirtschaftliche und politische Gemengelage besorgt die Beschäftigten in den IGBCE-Branchen massiv. In einer Umfrage, an der sich mehr als 5000 Mitglieder beteiligt haben, blicken drei von vier Beschäftigten pessimistisch auf den Industriestandort im Jahr 2026. Zwei von drei Befragten berichten von Investitionszurückhaltung im eigenen Betrieb. Die Arbeit der Bundesregierung bewertet eine Mehrheit von 53 Prozent mit den Noten „Mangelhaft“ oder „Ungenügend“.

Für 41 Prozent der Befragten hat sich die persönliche wirtschaftliche Situation in den zurückliegenden zwölf Monaten noch einmal verschlechtert. Die massiven Preissteigerungen in Folge des Ukraine-Kriegs und nun des Iran-Kriegs belasten die Menschen. Bis heute sind die Reallohnverluste der Beschäftigten nicht ausgeglichen. Gleichzeitig gibt es große Sorgen um die Zukunft industrieller Arbeitsplätze.

Diese Punkte hat die IGBCE deshalb in die aktuelle Tarifrunde für die 585.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie aufgenommen. Sie fordert Kaufkraftsteigerung und Jobsicherheit. Die Arbeitgeberseite überfordere das keinesfalls, so Vassiliadis. „Doch was wir von ihnen bislang in neun regionalen und zwei Bundesrunden gehört haben, ist keine konstruktive Grundlage.“ Inzwischen habe sich die Lage zugespitzt, „die Arbeitgeber sollten ihr Blatt nicht überreizen“. Die dritte bundesweite Verhandlungsrunde ist für den 24. Und 25. März in Bad Breisig angesetzt.

Hinweis an Redaktionen:

Weiter unten in dieser Mail finden Sie JPK-Präsentation und -Statement (in den Notizen) zum Download.

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Über uns
Die IGBCE ist mit rund 550.000 Mitgliedern die zweitgrößte Industriegewerkschaft Deutschlands. Sie gestaltet die Arbeitsverhältnisse für gut 1,1 Millionen Beschäftigte in mehr als einem Dutzend Branchen, darunter Chemie/Pharma/Biotech, Energie/Rohstoffe/Bergbau, Kunststoff/Kautschuk, Papier, Keramik oder Glas. Vorsitzender der Multibranchengewerkschaft ist seit 2009 Michael Vassiliadis. Hervorgegangen ist die IGBCE 1997 aus einer Fusion der IG Chemie-Papier-Keramik, der IG Bergbau und Energie und der Gewerkschaft Leder.  
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